Reiseführer über Samothraki

Eigentlich habe ich etwas gegen Reiseführer. Sie haben nämlich einen großen Fehler, sie können nur immer einen kurzen Zeitraum aktuell sein. Dieser Erste hier ist zum Beispiel 1998 erschienen, und natürlich hat sich bei uns seitdem einiges getan. Die Straßen zu unseren großen Stränden im Osten und im Süden der Insel sind asphaltiert, auch die Straße von Hora nach Paleopolis ist neu, es fahren im Sommer Gemeindebusse bis zu den Stränden, die alte Fähre Saos, die seit Jahren in Alexandroupolis im Hafen lag und verrostete, ist  verschrottet worden, das Restaurant Horizon hat mehrfach den Besitzer gewechselt. Es sind Hunderte von Veränderungen und Fehler in den Beschreibungen der Reiseführer, die letztlich auch dazu geführt haben, dass ich mich darangesetzt habe, die Internetseiten von Samothraki zu schreiben und laufend zu aktualisieren.
Trotzdem haben auch wir natürlich unsere Probleme. Erstens ist auch mein Fahrplan der Fähren so zuverlässig wie das Wetter im Winter, was aber nicht an mir liegt, sondern an der Fährgesellschaft und manchmal tatsächlich auch am Wetter, und zweitens habe ich noch keinen Touristen mit einem Notebook unter dem Arm hier herumlaufen sehen, der sich über Samothraki informieren wollte. Ein Reiseführer ist da wohl doch das geeignetere Medium. Wenn die Leute solch einen Reiseführer bloß nicht als Bibel verstehen würden. Oft genug kommen Touristen mit dem Reiseführer in der Hand zu mir, die wissen, dass ich die Internetseiten von Samothraki schreibe, die dann sagen:" Aber hier steht doch geschrieben....!"
Vielleicht wäre es besser, man sieht die Reiseführer aber auch meine Internetseiten etwas weniger eng. Sie sollen eine Hilfe sein, die Insel kennen zu lernen. Dabei können sie nur bedingt alles abdecken, was man wissen möchte. Denn Sie kommen ja schließlich zu uns, um das, was die Insel zum Erlebnis macht, hautnah zu erleben. Es ist wie mit einem Foto. Mit eigenen Augen sehen, ist einfach besser. Der Reiseführer und meine Internetseiten liefern den Vorgeschmack und ein wenig Orientierung.

Meltemi ReiseführerKommen wir zum ersten Reiseführer:

Reisen durch ThassosSamothraki und Nordgriechenland

176 Seiten stark behandelt er auf den ersten 80 Seiten die griechische Geschichte von der Antike bis zur Neuzeit, Anreisewege, veraltete Grenzvorschriften, Benimmregeln und eine Einführung in die  griechische Schrift mit ein paar wichtigen Vokabeln. Also alles was jemand gebrauchen kann, der noch nie in Griechenland war. Danach folgen Beschreibungen von Thessaloniki (6 Seiten), Chalkidiki (11 Seiten), Kavala (7 Seiten), Thrakien (5 Seiten), Thassos (25 Seiten) und Samothraki (15 Seiten).

Ich beschränke mich auf die Rezension der Seiten von Samothraki. 
Man hat das Gefühl, dass der Inhalt des Reiseführers von alternativ angehauchten, naturbewussten Leuten geschrieben wurde. Die Beschreibungen der Dörfer unserer Insel ist weitgehend authentisch, wenn auch kurz. Einige Aussagen sind sicher zwiespältig, wie z. B. der Hinweis darauf, dass man sich unbeliebt macht, wenn man wild zeltet während die Zimmervermieter nach Kunden suchen, und andererseits für Verständnis geworben wird, für die Wildcamper. Das beschriebene Dieselkraftwerk, das wirklich eine Dreckschleuder war, ist tatsächlich abgeschaltet und einem Stromkabel aus Alexandroupolis gewichen. Die Hafenanlage von Therma ist zwar fertiggestellt, doch hat sie sich als Pleite erwiesen, kaum jemand geht dort vor Anker. Die Ziegen fressen die Wälder immer noch kahl, und meine Schlangenphobie hält sich auch nach der Lektüre dieses Buches, in dem mindesten drei mal vor der hochgiftigen Sandviper gewarnt wird, in Grenzen. In den 10 Jahren als Tourist und den 11 Jahren als Bewohner dieser Insel habe ich es gerade ein einziges mal geschafft, ein vernünftiges Foto einer Schlange zustande zu bringen. Gesehen habe ich schon mindestens 50 Stück, aber sie waren immer blitzschnell verschwunden, selbst wenn ich mich vorsichtig herangepirscht habe. Alles in allem sind die Beschreibungen der Ortschaften und der Besonderheiten nicht besonders ausführlich, wie sollen sie auch, bei 11 Seiten Text. Eine Besonderheit gibt es noch, die aktuellen Seiten. Erst einmal sind diese Seiten natürlich nicht aktuell, und außerdem stellen sie teilweise eine Wiederholung des zuvor Beschriebenen dar. Aber es gibt noch eine Karte, die man an den Verlag schicken kann, um einen Informationsbrief zu bekommen, der über Aktuelles informiert. Wie gut er das tut, konnte ich leider nicht nachprüfen.
Fazit: Der Reiseführer ist durchaus brauchbar für alternativ angehauchte Leute, die sich für griechische Geschichte interessieren, noch nie in Griechenland waren und nicht jeden Weg auf einer Wanderkarte eingezeichnet sehen wollen.

 

Michel Müller Verlag ReiseführerDer zweite Reiseführer:

Thassos & Samothraki

von Antje und Gunther Schwab  ist im Jahr 2008 ein weiteres Mal überarbeitet worden. Er hat 260 Seiten und wendet sich mehr an den Urlauber, für den die Geschichte Griechenlands weniger wichtig ist, als eben die praktische Gestaltung eines schönen Urlaubs. Er ist mit vielen, Appetit machenden, Fotos ausgestattet, wobei für allgemein wichtiges Wissen wie Anreise, Essen, Klima, Telefonieren usw. rund 60 Seiten verwendet werden.

Für die Beschreibung von Samothraki stehen Ihnen immerhin 45 Seiten mit vielen Farbfotos zur Verfügung. Neben einer recht ausführlichen Beschreibung jedes Ortes finden sich zu jedem Ort die Rubriken: Reisebüros / Verbindungen, Adressen / Mietfahrzeuge / Einkaufen, Übernachten, Essen und Trinken / Nachtleben. Die Rubriken werden sehr ausführlich behandelt, stellen aber jeweils nur eine Auswahl dar. 

Speziell für Kamariotissa, der heimlichen Hauptstadt, und für Loutra (Therma) gibt es sogar einen Stadtplan, in dem neben dem Bäcker auch der Zahnarzt und die Krankenstation eingezeichnet ist.

Zusätzlich gibt es 3 ausführlichere Beschreibungen von Wanderungen zu den kleinen und großen Sehenswürdigkeiten der Insel. Ich hoffe, dass ich es dieses Jahr schaffe die im Reiseführer angegebenen Wanderungen 15 und 16 so zu verbessern, dass sie weniger über die Asphaltstraßen laufen und in der Natur gut gekennzeichnet sind.

Immer dort, wo Geschichte wichtig ist zum Verständnis der Orte, zum Beispiel bei den Altertumsstätten, wird sie in verständlicher Form erklärt. Aber auch Hintergrundinformationen über Olivenöl, sinnvoller weise auf den Seiten des Dorfes Lakoma, wo auch die Ölmühle steht, tragen dazu bei, diesen Reiseführer zu einer wirklich empfehlenswerten Lektüre zu machen.

Allein, der Teufel steckt im Detail. Auch hier muss ich sagen, dass auch in dieser Neuauflage des Reiseführers aus dem Jahr 2008 nicht immer alles richtig ist. Aber ich hoffe, die Familie Schwab kommt mal wieder bei uns vorbei um den Reiseführer zu aktualisieren. Gerne spreche ich aber hier an dieser Stelle der Familie Schwab ein großes Lob aus, dass Sie sich nicht nur auf die Versprechungen einiger Gemeindemitarbeiter verlässt, sondern sich verschiedenste Meinungen anhört und sie im Reiseführer mit verarbeitet. Auch findet man im Internet zusätzliche Informationen vom Verlag wie z.B. ein Forum oder die GPS Daten der Wanderungen.

Fazit: Wenn Sie schwanken, zwischen dem ersten oder dem zweiten Reiseführer, dann nehmen Sie auf jeden Fall besser den Zweiten. Noch besser allerdings ist es, Sie machen es so wie ich, Sie nehmen beide und nehmen nicht alles ernst, was Sie dort lesen, sondern erforschen selbst die Insel um eigene Eindrücke zu gewinnen.

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