Samothráki, die einsame, ganz eigenartig Schöne
(22. – 24. Mai 2004) Autor: MartinPUC

((Prósochi: a lengthy report!))

 

APRIL 04
Der erste Tag
Der zweite Tag
Der dritte Tag
Nach Alexandroúpoli und Évros

APRIL 04
Ausnehmend kühl, nur eine Spur milder als bei uns zu Hause, diese Aprilwoche in Paris. Es war vorher bestimmt deutlich wärmer, aus dem Zugfenster gut zu erkennen an der fortgeschrittenen Vegetation, die unseren Frühling bereits um zwei Wochen geschlagen hat.
Nun aber kältelt es wieder und die Plakate der griechischen Zentrale für Fremdenverkehr in den Metro-Bahnhöfen machen durchaus Sinn:

Greece ((auf Englisch)) – vôtre meilleur exploit. „Greece – Ihre größte Heldentat“, etwas ironisch formuliert und auf den kleinen Schritt der Eigeninitiative anspielend. Davor noch der Satz mit der schier unwiderlegbaren Aussage, dass es in Europa seit allen erdenklichen Zeiten nur ein Land mit so viel Sonnenstunden gebe.

..... Es wäre verlockend, einen dritten Tag zusammen mit weiteren 15.000 und mehr Besuchern im Louvre zu verbringen.
Noch einmal zu De la Tour mit seinen packenden mystischen Kerzenszenen, oder Chardin mit seinen prächtigen Stillleben, oder zum unvergleichlichen, Laute spielenden Hofnarren von Frans Hals, an dem so viele unberührt vorübergehen.
Oder den Rembrandts, besonders dem kleinen „Philosophenbild“, mit seinen Kontrasten aus heller Erleuchtung und dem tiefen Dunkel, der Spiraltreppe und der Kellertür, dem geistig Versunkensein, den Höhenflügen der Gedanken und daneben den Notwendigkeiten der Existenz, der unbeteiligten, das Feuer schürenden Hausangestellten.
Zu den beiden Köstlichkeiten Vermeers, zu dem für seine Zeit kühn in Pink- und Violett-Tönen malenden Rosso Fiorentino, dem nahen Pontormo-Bild, das, abgesehen vom Zauber des leuchtenden Gelb-Rot der Gewandfalten einer der Figuren, so sehr an Dürers derbgesichtige Gestalten erinnert.
Oder zu Vasaris herrlicher Verkündigung, Melendez’ Überfliegerstillleben, hinter der Staffelei einer Kopistin verborgen, und zu den wenigen Goyas.

Schnell vorüber insbesondere an der ständig belagerten zweitklassigen Mona Lisa – aus zwanzig Metern Entfernung halten sie schon die Digitalkameras hoch, obwohl etwa 100 m weiter in der langen Galerie viel bessere Da Vincis zu sehen sind.

Aber ich denke auch gerne an GRIECHISCHES im Louvre zurück – ganz zu schweigen von den Schätzen der ägyptischen Sammlung.

Die gut ausgestattete griechische Skulpturengalerie (es gibt zwei davon im Louvre), ein herrlicher lächelnder Kouros, die uralten Kykladenidole von Kéros, Syros und den Nachbarinseln.

In Stein gemeißelt die „Victoire de Samothrace“, die Großstatue der arm- und kopflosen Nike von Samothraki mit ihrem marmornen Flügelwunder, in stolzer, gerader Haltung auf klotzigem Schiffsbug verwurzelt.
Sie überrumpelt von ihrer hohen Warte aus jeden, der das imposante marmorne Treppenhaus zu ihr hinaufsteigt. In der Tat überwältigend, so ein Anblick, keiner kann sich ihm entziehen. Eine Tafel mit Kommentar an der Wand. Ich werde neugierig, will mehr wissen, mehr sehen.

Es nimmt einen ganz schön mit – im Glück zu schwelgen, sich tagelang mit den herrlichsten Kunstschätzen der Welt auf Tuchfühlung zu wissen.


MAI 04

Geschrieben nur aus der Erinnerung.


Der erste Tag


Ein paar Wochen später. Dies ist wieder die „Nissos Limnos“ von SAOS-ANES Lines, und es ist früher Morgen, kurz nach sechs, und Samstag, der 22. Mai 2004.

Wir sind auf Höhe des Kaps Moúrtzouflos - Erinnerung an eine Figur bei Kazantzakis -, der Nordwestspitze der Insel Limnos, und nehmen Kurs auf Samothráki, das noch lange im Dunst verborgen bleiben sollte.

Endlich habe ich beim Vorbeifahren am Kastro-Berg einen kurzen Blick auf das Rudel Rehe in einem abgegrenzten, waldartigen Burgbezirk werfen können. Schon irre – Rehe auf Limnos.

Eine Zeit lang habe ich mit zusammengekniffenen Augen den Meersspiegel gescannt und bin überraschend fündig geworden: Eine Schule Delphine, nur ein paar Tiere, begleitet mit eleganten Hüpfbewegungen, die Wellen durchsichelnd in vielleicht 250 m Entfernung das Schiff, genau beim Kap. Sie tummeln sich in all ihrer morgendlichen Lebensfreude, die Tümmler, da sind die vielen morgenaktiven, aufgewirbelte kleine Fische an den Schiffsflanken schnappenden Seemöwen kurzfristig ganz vergessen.

Drei ältere deutsche Landsleute, darunter ein waschechter Bayer, haben sich ebenfalls auf dem Achterzwischendeck der N. L. positioniert, staken wie ich mal dahin, mal dorthin, entdecken von Bord aus ihnen bekannte Gegenden, um Agios Jannis.
Ob die eine Frau, hörbar von der Ruhr (im weitesten Sinn) , vielleicht die Gattin des Wirtes der einen Taverne noch hinter meinem Wohngebiet in Myrina war? Sie machen einen Ausflug, kehren nach einer Ü auf Samothraki wieder zurück nach Limnos.

Vergebens halte ich Ausschau nach der Insel Thassos, die sich wie der Athos diesen Morgen einfach nicht zeigen will.

Die Trabanteninsel Serjítsi und die buchtenreiche Nordflanke von Limnos sind allmählich passé, die Konturen der Kabireninsel schon eine halbe Stunde lang in Erscheinung getreten, als mich eine zierliche Person mit Bubikopf und guter Ausstrahlung wohlmeinend anspricht. Ich suche auf der verkehrten Seite, meint sie, Samothraki liege direkt vor und etwas rechts von uns. Aha, meine ich – ich suche doch immer noch nach Thassos, der einzigen Insel die ich hier vermisse!

Die in Athen arbeitende Französin ist unterwegs zu ihrem griechischen Partner in der letzten Siedlung des Inselsüdens namens Kitáda – den Namen merke ich mir, aber ich sollte das „Dorf“ trotz Suche nie finden – ich weiß auch, warum.
Meine Gesprächspartnerin (wir sprechen Griechisch, sie perfekt, ich eher notdürftig, so gut ich eben kann) ist der Ansicht, der Süden von S. biete Griechenland in höchster Perfektion, wie es typischer nicht sein könne. Da werde ich schon skeptisch - für mich ist das eine Definition für Kreta, verbohrt wie ich bin, und vorgeformt. Aber aufhorchen tue ich trotzdem, denn die Frau wirkt recht intelligent, und es ist das erste Mal, dass jemand mir gegenüber im persönlichen Gespräch gerade den Süden von Samothráki so explizit hervorhebt. Der gilt doch als so kahl und im Vergleich zum wald- und wasserreichen Norden als geradezu uninteressant!

Von unserem Nordostkurs aus betrachtet eine recht zusammengestauchte Hochgebirgsinsel (wenn auch unter 2.000 m, also streng genommen keine). Sie wirkt sehr imposant mit ihrer langen Gipfelkante und den steil abfallenden West- und Ostenden. Aber bestimmt nicht wie ein gleichmäßig zum Inselinneren ansteigender Bergkegel – das Gegenteil, eher: eine längere Gipfelkette mit mehreren Bergstöcken. Viel länger als 20 km Luftlinie ist sie wohl kaum.

So genau wie ich es sonst immer mache, kann ich sowieso nicht die sich nähernden Küsten und Berge anpeilen, schließlich unterhalte ich mich ja – auch über die Insel.

Die Nissos Limnos hält auf die Westspitze der im äußersten Inselwesten gelegenen, flachen bis sanft hügeligen Landzunge zu, erstaunlich viel Ackerland erstreckt sich in diesem an Südengland erinnernden Teil von Samothráki – „Livadia“. Das viele Getreide ich noch grün, einzelne Laubbäume lockern die Szenerie auf.

Einige Kilometer südostwärts sind Hangdörfer auszumachen, dahinter dunkle Wälder und der nackte Fels mit einer Reihe von Gipfeln darüber, keiner ragt besonders hoch über seine Nachbarn hinaus, aber sie beeindrucken in ihrer wuchtigen Gesamtheit, als klotziges Ensemble.

Auf dem nach West länglich zugespitzten Kap Makrívrachos ragen vier (oder waren es drei?) Windkraftwerke mit ihren Rotoren in die Höhe. Dieses Kap bildet auch schon den Eingang zur Bucht von Kamariótissa, dem Hafenort der Insel.

Überhöht auf einem Minihügel am Meer grüßt uns die Aghios-Nikólaos-Kapelle, meine Zuflucht zu gefährlicher Stunde. Die ersten vereinzelten Häuser säumen die Küstenpiste hinaus zu den Rotoren. Nun ist das grüne Licht, die rechte Hafenmole erreicht und die N. L. beginnt ihr Wendemanöver.


Erste Fühlungnahme mit Kamariótissa

Der Ort zieht sich die Küste entlang, sieht recht neu aus. Nicht gerade sehr inspirierend, aber auch nicht hässlich. Etliche ganz schön große, fast riesige Fischkutter säumen den Hafen. Die kleineren Boote fallen neben ihnen kaum auf. In diesen Breiten muss es sich lohnen zu fischen.

Da ich mich nicht besonders über Zimmer vorinformiert habe und auch das Buch der Schwabs nicht gekauft habe, setze ich mich zuerst einmal in ein recht verlassenes Kafenio neben dem Zeitungs-, Buch- und Souvenirgeschäft eines jungen Typen und sehe dem Entladen meiner angekommenen Fähre zu. Ein Tisch ist besetzt, aber der Kafetzís lässt sich nicht blicken. Es hat keinen Sinn, der kommt einfach nicht, ist wohl beim Schiff. Auf meine Frage, wo es Zimmer gibt, sagen sie: überall! Links oder rechts. Ich wende mich nach rechts, nach Nordost. Setze mich vor die nächste Ecktaverne bei einer Gasseneinmündung, die zu dieser noch frühen Stunde als Kafenio fungiert.

Die haben auch ein Zimmer für mich, etwas das Gässchen hinter, Blick in einem ruhigen schmalen Garten mit Bäumen, Krempel, Mauer- und Himmelsblick. Schmaler Balkon an allen Zimmern dieser Seite des Stockwerks entlang. Irgendwo wohnt noch ein Gast, aber nicht auf dieser Balkonseite. 20 Euro kostet es, vorausgesetzt ich bleibe länger als nur eine Nacht, darauf legt die Wirtin großen Wert, betont es mehrmals.
Komme ich vor meiner Unterkunft an oder verlasse ich sie, liegt unten auf der Gasse stets ein netter, aber etwas verstörter Hund, einer dieser lieben Streuner, der nicht so recht weiß, was er mit sich und mir anfangen soll. Gleich gegenüber ein Souvenirladen mit ganz vielen Nikes von Samothraki zur Auswahl.

Wenn man hinten aus der Gasse rausgeht, bei dem Minimarket ankommt, dann nach links dreht, ist man nach wenigen Schritten auf dem Kirchenvorplatz, einer anderen Grünanlage mit vielen Schnecken. Geht man durch den Torbogen, linkerhand die Telefonkabine, steht man dem Motor- und Fahrradverleih eines Deutschen gegenüber – er sah zumindest sehr deutsch aus. Sein Fuhrpark wirkte äußerst gepflegt. Miá chará! Eine wahre Freude.

20 m weiter, links abwärts Richtung Hafen, findet sich rechterhand ein vorzügliches Bougátsa-Etablissement mit kleiner Außenterasse. Für 1.50 Euro kriegt man dort seine schmackhafte Portion Bougátsa plus ein Glas Wasser, ob Kréma oder nicht, egal: immer bestens! Ich war viermal dort, das letzte Mal am frühen Abfahrtsmorgen. Der bei der permanenten Backofenhitze im Hinterstübchen ständig total verschwitzte, extrem eifrige Kleinunternehmer hat’s mir durch freundliche Anerkennung gedankt.

An Samstagen ist das Busnetz ziemlich ausgedünnt auf Samothraki, ein italienisches Paar klagt mir sein Leid. Sie wollen nach Profítis Ilías, einem Dorf zu Füßen des gleichnamigen Prophetenbergs an der Südseite der Insel. Dafür müssen sie ziemlich lange warten – wenn überhaupt was geht. Ich schlage vor, wir könnten uns zusammen ein Taxi teilen, nachmittags, aber sie ziehen nicht so recht mit.

Wir wissen nicht, ob die an den Windschutzscheiben der bei der Hafenfront geparkten vier Inselbusse angebrachten Busfahrpläne noch gültig sind, stellen bald fast, dass wohl schon, denn der Busfahrer kommt ab und zu ganz ohne Hektik, besteigt immer dasselbe auserwählte Gefährt und startet mit einer oder zwei Personen Richtung Chora.
Richtung Therma heißt es einige Stunden warten. Was muss man auch wochenends hier anlanden!

Mein erster Rundgang die Uferstraße entlang führt bis zum östlichen Ortsende, einem verlassen scheinenden Hotelkasten, einem von dreien am ostwärtigen Ortsrand. Kurz dahinter vereinigt sich die Uferstraße mit der landeinwärtigen Parallelgasse zur Inselstraße in den Osten.

Eine ganze Reihe von Minimärkten, Tavernen und Kafenía säumen die Promenade am Fischerhafen bzw. dem Parkplatz mit so etwas wie Grünanlage, wenigstens Bäumen weiter östlich zwischen dieser Straße und dem Strandbereich. Etwa in der Mitte zweigt im Neunziggradwinkel die Hauptstraße sowohl in das Verwaltungszentrum („Samothráki“ oder „Chóra“) hoch oben als auch zu den Dörfern des Südens ab. Der südwestliche Teil der Hafenparallele führt bald hinaus in eine hübsche, offene Landschaft mit den ersten Getreideflächen, erst einmal vorüber an einigen neueren Cafés (plus Internetcafé), dann ein Weg hinter zu den letzten Zimmern (idyllisch, ruhig), schon weiter draußen nahe einem verriegelten, leicht verkommenen ehemaligen Tanzcafé oder dergleichen, schließlich ein Zigeunerlager – kleinere Familie. In Sichtweite die Kapelle über dem Ufer, etwa 1 km vom Ort entfernt.

Ein herrlicher, großartiger Blick tut sich einem dort draußen auf, sowohl aufs Meer als auch und besonders auf die grandiose Bergkulisse des Inselinneren. Nicht schlecht, muss ich sagen.

Seit Stunden komme ich mir wie eben einer von drei oder vier Touristen vor, das ist die Kehrseite der Medaille, wenn man so will.
Absolut tote Hose in Kamariótissa, ziemlich triste Atmosphäre und auch nicht besonders warm. Die Einheimischen verschanzen sich hinter ihren Kaffeetässchen und kleinen Bieren. Ja, hier haben sie immer nur die kleinen Biere, zum Leidwesen jedes gebürtigen Bayern – in Alexandroúpoli sollte es nicht anders sein. Irgendwer hat denen gesagt: weniger trinken ist gesund, und man kriegt als Wirt für die kleinen (fast bzw. genau) dasselbe Geld wie für die großen Flaschen. Das hat den Händlergeist, die Krämerseele überzeugt.

Ich kehre auf einen ersten Ouzo und etwas Mezé zur Mittagszeit in der urigen Kneipe neben der nicht weniger urigen Ticketagentur der SAOS Lines ein – wie ich es von Limnos her gewohnt bin. Wortkarge Leute hinter der Theke. Etwas unfreundlich, keine Spur von Lächeln. Die junge Frau schneidet sorgfältig meine Mezedes auf, es sind auch zwei Fischchen und etwas Tintenfisch dabei. Aber vier Euro fünfzig ist dann doch ein leicht überhöhter Preis für den Snack. Die Leute an den beiden Nachbartischen geraten denn auch in Erstaunen über so einen Wucher, äußern sich prägnant: „Téssera penjínda!“, werfen sich bedeutungsvolle Blicke zu. Für mich war’s halt mal wieder „diplí timí“, doppelter Preis.

Angesichts dieser ausgesprochenen Tristezza und so irre wenig Touristen (die paar, die hier sind, machen jetzt bestimmt gerade ihre Tagesausflüge) möchte ich nicht gerne auffallen und bemühe mich weiterhin auf Griechisch durch den Ort, obwohl ich weiß, dass hier fast jeder Mann in Stuttgart oder Bad Cannstadt und Umgebung gearbeitet hat. Klar, ich falle sofort als Deutscher auf, aber vielleicht wissen sie meine Bemühungen zu schätzen.

Wär ich doch wenigstens zu Zeiten der Fußball-EM gekommen! Oder vielleicht Ende Juli? Ach, was mag jetzt auf Kreta los sein, in Paleóchora, Loutró, in Sívas, Kamilari, in Léndas, Mirtos oder Palékastro! Und hier wieder in der völligen Einsamkeit. Aber schön ist es trotzdem, es war mal was ganz Neues fällig!

Zur auf den Windschutzscheibenbusfahrplänen angegebenen Stunde taucht wieder der Busfahrer auf, absolut wortkarg, stoisch ruhig, unantastbar. Mein Tipp, welchen Bus er wohl aufschließen wird, ist goldrichtig. Wieder den einen, etwas kürzeren.


Ein erster Busausflug zur Nordseite. Die zweite Hälfte des ersten Tages

Der kleingewachsene, schwarzhaarige Mann mit der relativ hohen Stirn hinter dem Steuer fährt los. An Bord: ein englisches Ehepaar (das 100 % der anwesenden Briten verkörpert) und ich. Die beiden Geizparteien, die sich keinen fahrbaren Untersatz gemietet haben.

Musik wird angestellt, überlaute Schlager dröhnen auf uns ein, hätte ich von ihm nicht erwartet.

Unser Fahrer meistert den Schwellenparcours die Uferstraße entlang wie ein Profi. Fast Stillstand vor jeder der Bodenwellen bzw. die Straße querenden Gitter, um den Bus gebührend zu schonen.

Ortsauswärts tauchen wir gleich ein in die wunderschöne, eigenartig verlassene Landschaft der westlichen Nordküste, die erst nach einigen Kilometern durch Neubauten, geschlossene Pensionen und Tavernen an der Küste, nur punktuell etwas entstellt wird. Zuvor geht es durch eine Wiesen-, Farn-, Baum-, weiter oben Oliven- und lockere Waldgegend, rechtsab von der Straße. Die einzelnen anderen, sehr ufernahen Pflanzenformationen kenne ich leider nicht namentlich. ((Rainer Karbe, Ute Latermann, helft mir – ihr Großartigen!))
Linkerhand geht es immer dicht am Meer mit seinen kiesigen, bald nur mehr steinigen Stränden entlang.

Katsábas ist passiert, und Paliápoli (alle sagen es so, also nicht „Paleópoli“, wie es auf der Karte steht) bald erreicht. Es sind zwei „Ortsteile“, ein paar hundert Meter auseinander glegen. Der erste Stopp ist sozusagen der „richtige“, beim Kabirenheiligtum, dem „Heiligtum der großen Götter“, und dem vorgelagerten Museum. Ganz vorne in Straßennähe eine linkerhand auf einer Geländeterrasse platzierte Kapelle. Der zweite mögliche Stopp ist bei den viel viel später errichteten Ruinen eines Kastros – der Seiteneingang vom Kabirenheiligtum aus zu diesen relativ jungen Ruinen ist leider zugesperrt.

Weiter zockeln wir vorbei an Platanen. Kariotés, erst Káto, dann Áno, ein, zwei „Dhomátia“ in Straßennähe. Südlich die hohen Berge.

Nur einige Kilometer sind es noch nach Loutrá, oder Thérma.

Eine Taverne rechts an der Straße, ein Hafen links unten, und hier ist sie, die Abzweigung nach Loutrá, etwa einen Kilometer geht es schnurgerade hügelan. Merkwürdiger, kostspielig angelegter Gehsteig mit Lampenpfosten mittendrin, Bushäuschen.

Angekommen in Therma/Loutrá, direkt beim Badehaus, das vielleicht 100 m hügelwärts rechtsab jenseits eines Baches positioniert und ganz verlassen ist, frage ich als Erstes, wann der Bus zurückfährt, denn ich hab recht schnell erkannt, dass ich mich trotz der Wochenendbesucher, lauter Griechen, in dem Kafenío mit den Platanen im Vordergrund an diesem Nachmittag hier nicht glücklich fühlen werde.

Der Busfahrer meint, gleich nach seinem Kaffee, in 10 Minuten. Das bedeutet für mich eine Blitztour hinter, nur ein paar Meter in den platanenüberschatteten Ort. Aber keine Bange –ich werde wiederkommen, zwei Tage später. Bei einer Pension mit gefährlich aussehendem, aber harmlosem Schäferhund davor kehre ich um und sitze vor dem Bus herum, bis der Fahrer das Kafenío verlässt und wie ich wieder einsteigt. Der Ort hat einen vor-saisonhaften, melancholischen Eindruck in mir hinterlassen, trotz der etwa 20 Wochenend-Besucher im Kafenío an seinem untersten Ende.

Gerne nehme ich die Gelegenheit wahr unmittelbar zurückzufahren Richtung Kamariótissa. Das scheint ungewöhnlich, denn als ich beim Kabirenheiligtum aussteige, erlässt mir der Fahrer den Fahrpreis.

Nun stehe ich hier an der Straße, überquere sie und sehe, wie einige Frauen liebevoll die Kapelle putzen und pflegen.

Einige hundert Meter auf steinernem Pfad durch einen herrlichen Wald mit Nebenpfaden und Olivenhain sind es nun bis zum „Mousío“.

Zwei Paare begegnen mir auf ihrem frühnachmittäglichen Weg zurück zum Auto. Später eine Gruppe Deutscher , deren württemberger Autonummer ich wahrgenommen habe.

Das Museum. Soll ich reingehen? Um diese Zeit hab ich eigentlich gar keine Lust dazu. Aber die Eindrücke von Paris, vom Louvre, sind noch zu frisch, und ich zahle den Eintritt und sehe mir die paar Räume an.

Schande: Im Louvre steht das abtransportierte, einkassierte Original, hier lediglich ein Abguss der „Nike von Samothráki“, aber immerhin. Ansonsten viele Kleinteile, Generalitäten, Generelles zur griechischen Antike, auch Zierleisten von Tempeln dieses Standortes, usw.
Im Vergleich zu Sammlungen wie der im Louvre ist das aber bescheiden, was hier geboten wird, und ich halte mich deshalb nicht lange auf, trage mich auch nicht ins Besucherbuch ein, weil ich nicht lügen will mit irgendwelchen Schmeicheleien.

Wie schön ist es doch, im Nachhinein über diese Insel zu schreiben, denk ich mir gerade, die zweite Verlängerung Viertelfinale England – Portugal im Hintergrund.

Ich müsste auch da noch einmal hin, zurück nach Samothráki – verdammt, verflucht! Wann?!
Portugal hat soeben das „Silver Goal“ geschossen. Das Spiel geht weiter. Seinem ungewissen Ende entgegen.

Den steinernen Pfad gehe ich weiter zum Ausgrabungsgelände, muss durch das Gatter eines Gitterzauns. Der müde Wächter.

Eine Talung mit Bach teilt die heilige Stätte in zwei Hälften. Ganz am oberen Ende stand es, das Nike-Monument aus der ersten Hälfte des zweiten vorchristlichen Jahrhunderts – spät errichtet angesichts des Alters dieser Glaubensrichtung. Nebenan erstreckte sich die ausgedehnte „Stoa“, eine Säulenhalle von etwa 120 m Länge.
All diese früheren und späteren Bauten möchte ich gar nicht erwähnen, ein Labyrinth von Wegen, es sind viele, runde (Tholos der Arsinó-i ) und eckige Grundrisse haben sie, umgeben von den letzten Olivenausläufern der Nordseite Samothrakis, gestiftet teils von großen Königen der makedonischen Antike.

Ein deutsches Paar, ein niederländisches..
Rasten auf den Steinen, ahnungslos vor dieser Größe, vor dem Unbekannten. Die heiligen Oliven, und darüber, noch einigermaßen weit entfernt, der glitzernde Fels. Ausblick auf das Thrakische Meer, und wäre es nicht so dunstig, nicht nur auf die nahen Festlands-, sondern bis zu den ferneren bulgarischen Bergen.

Ein Ort für den frühen Morgen oder die Abenddämmerung, die Nacht. NICHT für den Mittag.

Die sympathische Museumswärterin erklärt mir die Abkürzung über einen Feldweg hinten raus aus dem Gelände zur Teerstraße hinauf in die Chora. Ein Zickzackkurs, aber bald ist es geschafft, die etwas westlich der Ausgrabungen auf die Küstenstraße einmündende neue Verbindung zum Hauptdorf der Insel ist erreicht.
Es geht bergauf in Kurven, etwa 3, 4 km. Wasserstaubecken aus Beton. Ziegenherden ohne Hirten queren die Straße. Kahle Landschaft vor dem großen Gebirge.
Allmählich bin ich sehr durstig, hab nichts zu trinken mitgenommen.

Bei einer Kurve schließlich habe ich den ersten Blick auf die sich in die Bergflanken schmiegende Chóra und bin nach weiteren 10 min an der Platía ganz am unteren Ortsrand mit einer verschlossenen Kandína (Imbissstand) und einigen Bäumen angelangt. Auch die Taverne entgeht mir nicht, hat wohl nur abends auf, oder später im Jahr. Den Brunnen entdecke ich zu spät, bin heilfroh, ein geöffnetes Kafenío hier zu finden, wo ich mir eine Art „Shandy“ zusammenmixe – Bier mit Limo. Draußen wird es bald so kühl, dass ich meine Vliesjacke überstreife. Ein paar neugierige Dorfbewohner erscheinen auf der Bildfläche, auf ein Tässchen Kaffee.

Es gilt hochzusteigen, irgendwo neben dem Kafenío. Schöne, autofreie Gassen führen im Zickzack bergan. Es soll hier Fremdenzimmer geben, die sind nicht gerade auffällig.

Über mir zeigt sich schon das absolut verschlafene Polizeihauptquartier der Insel an einer Ausfallgasse, 100 m dorfeinwärts von der wegen Einsturzgefahr nicht zugänglichen Burgruine. Vor dem Café, geschlossen, gegenüber der Ruine begegne ich dem holländischen Paar, unterhalte mich ein wenig mit ihnen. Sie raten mir unbedingt zu der Wanderung den Foniás-Gebirgsbachlauf hoch bis zum Wasserfall – Nordseite der Insel, 4 oder 5 km östlich der Abzweigung nach Loutrá. Ich würde etwas Wichtiges vermissen, wenn ich das nicht machte.
They were right – absoloootely. Es blieb bei mir aber nicht beim ersten Wasserfall (Gib nicht so an, du Krücke!).

In einer der obersten Gassen umrunde ich den Ort bis hin zur Kirche und zum Gymnasium. Hier kreuzt die Straße von Kamariótissa auf eine andere Richtung Alónia ein. Ich gehe in diese Richtung weiter, muss aber ein Auto anhalten und mich nach dem Weg erkundigen, denn bald bin ich an einer Stelle angelangt, wo drei Wege auseinander gehen. Klar, den Hauptweg, die Teerstraße bergab, hätte ich auch selber gefühlsmäßig als solchen ausgemacht, aber lieber fragen (Leute, nicht den Esel, der da wartet), bevor man Umwege gehen muss.

Oben raus aus dem Hauptdorf, Verwaltungszentrum der Insel, samstags Stimmung wie irgendwo weit weg, auf den Bergen der Cyrenáika, in Nord-Finnland, aber sogleich hat man eine Aussicht, weit hinunter über das Land und einige Dörfer.

Die 2 km bis Alónia schaff ich auch locker.

Aber Alónia ist weit gestreut, liegt zudem beiderseits eines recht tief eingeschnittenen Tals, und ich kenne mich hier noch nicht aus.

Eine Streusiedlung, zunächst. Ich entscheide mich für die linke Talseite, obwohl mir scheint, dass ich über die rechte schneller nach Kamariótissa zurückwandern könnte. War aber gut so. Auch gut, dass ich wieder meinen schweren Teleskopwanderstock mithabe, die erste Hundemeute in die Schranken zu verweisen. Nach den Hunden kommt ein Familienclan aus einem der umgarteten Häuser unterhalb meines Weges zum Auto hoch. Die Tochter grüßt mich überherzlich, ergreift fest meine Hand, grinsend über beide Ohren, die Familie lacht und entschuldigt sich für ihren geistig behinderten Spross.

Ein Stückchen weiter wende ich mich an einer Abzweigung nach links hinunter, nicht nach rechts, und gelange so ins Ortszentrum – so ein Glück. Es ist wirklich hübsch, einladend, und das größere Kafenio linkerhand, nachdem ich rechts in die Hauptstraße eingebogen bin, hat sogar schon wieder – oder noch?- geöffnet, wenn auch niemand außer der Wirtin da ist. Es zieht mich leider weiter, vielleicht ein Fehler. Da hätte ich möglicherweise einen hier residierenden netten Deutschen getroffen, per Zufall. Den Betreiber der tollen Samothraki-Website, vielleicht.

Aus der nachmittäglichen Stille des schönen Alónia münde ich nach ein paar hundert Metern in den südlichen Inselhighway ein.

Da ist zu dieser Zeit erstaunlich viel Verkehr. Eine richtige Überlandstraße, so kommt es mir vor, und ich empfinde mich auf ihr völlig deplatziert. Die herrlichen Wanderpfade von Loutró nach Aghía Rouméli oder über Livanianá hinunter in die Arádhena-Schlucht oder hinauf nach Anópoli kommen mir in den Sinn. Wie anders ist doch die Sfatschá! Aber hier ist nicht Südwestkreta.

Hier ist eine tolle, eigenständige und –artige Insel im äußersten Nordosten der Ägäis, knapp vor der Türkei. Man gönnt ihr diesen (wirklich) einzigen bescheidenen Inselhighway.

Die griechische Nationalmannschaft hat soeben die französische Elf aus der EM rausgefußballt. Schlusspfiff. ES IST UNGLAUBLICH.
So etwas hab ich noch nie erlebt, niemals erwartet. Wahnsinn! Wahnsinn!!!

Ich habe nur eine Erklärung dafür, für das Gelingen dieses Ausnahmeereignisses: Die große kabirische Göttin Axiokérsa, die „Große Mutter“, nicht nur der große Trainer Rehagel (was für ein netter, lieber älterer Herr mit leuchtenden Augen und positiver Einstellung zum Leben! Wie euphorisch er jetzt wirkt!), hat aktiv mitgewirkt – nachdem sie von ihrer letzten, nach Jahrtausenden übrig gebliebenen, stark ausgedünnten Verehrergemeinde in einem nächtlichen Ritual auf Samothráki inniglichst beschworen wurde.
Stimmt’s – ihr thrakischen Schlitzohren mit schwäbischer Zunge?

Was könnte mir da im Nachhinein der mehrere km lange Weg auf einer samstags spätnachmittäglich (relativ) gut befahrenen Teerstraße schaden, vorüber an einem Zementwerk, oder was immer es sein mag, beim Abzweig zu einer großen Kaserne weiter oben, landein?
Nein, ich gehe schnellen Schrittes hinab in die Senke, dann wieder hügelauf, geblendet von der südenglischen Szenerie einer Weizenfelderhügellandschaft mit Bäumen und dem gelegentlichen Traktor auf dem Feldweg. Die Gegend nahe der Westspitze Samothrákis, wo der Inselflugplatz gebaut werden könnte – theoretisch. Man müsste viel einebnen, aber es ginge, nevertheless.

Der nächste sanfte Abstieg zielt bereits auf die heimliche Inselhauptstadt: Kamariótissa.
Eine Straßeneinmündung, die Straße von Chóra her, 400 m runter, und schon bin ich im Außenbereich des kleinen Küstenortes. Mein Stock muss noch einmal wild gewordene Hunde abwehren, das Los des einsamen Wanderers.

Die Hunde füttere ich dann abends mit den Überresten meiner Mahlzeit.

Der Abend ist wieder ein wenig kühl, aber ich probiere ein anderes Kafenío aus, das rechts von der Hauptstraßeneinmündung, wenn man von den Bergen reinkommt in den Ort.

Der Wirt ist echt nett, hat auch Verbindungen nach D. Ich sitze und schaue zu, auf der anderen Seite der Einmündung das Kafenio mit den Taxis davor – sind nicht viele, maximal vier, wenn ich mich recht erinnere.

Ouzo mit Mezé – aber nicht die Qualität wie im limnischen „Äjäo“. Aber ehrlich und kein Beschiss wie anderswo auf der Insel.

Unmittelbar nebenan ein weiteres Kafenio, dann gleich ein Sacharoplastío (hier: Konditorei-Café), beide mit viel Außenbestuhlung.

Irgendwie gefällt’s mir jetzt, inzwischen (enzwescha), trotz der Verlassenheit.

Schön ist es beim Abendessen in der Psistaría 50 m hügelan von der westlichen Hafenstraße aus. Sogar ein reiner Kindertisch mit bescheidener Zeche wird bedient. Mein Braten aus dem Ofen ist wirklich lecker.

Tschaule!


Der zweite Tag

Ein stiller, erholsamer Sonntagmorgen, nicht besonders warm. Über den Platz vor der Kirche mit seiner Blumenpracht und den vielen Schnecken nähere ich mich wieder dem netten Bougátsa-Lokälchen, das flankiert wird von dem Motorrad-, Roller- und Fahrradverleih gleich jenseits einer Seitenstraße, ebenfalls an der ruhigen Hauptausfallstraße und direkt gegenüber der Kirche. Wenn ich länger geblieben wäre, hätte ich mir bei diesen Leuten bestimmt ein Mountainbike ausgeliehen.

Bereits bei meinem zweiten Bougátsa-Kréma-Frühstück werde ich mit einem Lächeln begrüßt und wie ein Stammkunde behandelt.
Ein Militärauto hält, die Jungs holen sich was zum Naschen.
Gottesdienstbesucher verlassen in Scharen das Gotteshaus, einige davon setzten sich zu mir auf die Terrasse.

Am Vorabend hab ich im Lebensmittelladen eines alten Herrn auf der anderen Straßenseite fürs Zimmer eingekauft, und er hat sich bald auf Deutsch mit mir unterhalten, der aus dem schwäbischen Exil Heimgekehrte. Seine Preise waren so günstig, im Vergleich mit den Getränkepreisen der Kafenía.
Geizig bin ich nicht, aber bei einer so weiten Rundreise muss ich schon auf mein schmales Budget achten, denn alleine die Fähren- und Taxikosten summieren sich doch auf eine beträchtliche Summe.

Jetzt hat es mich wieder auf eine Insel verschlagen, auf der ich zumindest am Wochenende auf Taxis oder ein Leihfahrzeug angewiesen bin, um herumzukommen. Denn sonntags geht gar nichts mehr mit Bussen, höchstens noch in die Chora (?).

Also noch auf einen Kaffee vor zur Uferpromenade, zu meinem Eck-Kafenío und ein Taxi abpassen. Bald bin ich an der Reihe – es haben nur zwei Parteien vor mir gewartet, aber Taxis sind nicht immer da, meistens unterwegs.

Froh bin ich, dass ich keinen Mercedes-Fahrer erwischt habe, denn die müssen doch erst recht ihre Arbeitsmittelanschaffungskosten über die Kunden hereinbringen.
Nein, mein Fahrer ist ein unauffälliger, ruhigerer Typ namens Panajótis (hoffentlich erinnere ich mich richtig, er ist jedenfalls in Lákkoma zu Hause) mit einem weniger auffallenden Auto.

Er bringt mich für ein bescheidenes Entgelt mitten in die Ortschaft Profítis Ilías am SW-Rand der Berge. Wieder geht es durch das hügelige Getreideland des Inselwestens, schließlich oben vorbei an Lákkoma, einem recht großen Dorf nicht mehr weit von der Südküste weg, wo man sich aber noch wie mitten im Binnenland fühlt. In einigen Serpentinen führt die gute Teerstraße in das angeblich beliebte, sehr grüne Ausflugsdorf hinauf.

Beim Kafenío und der OTE-Telefonkabine zu Füßen der am späteren Sonntagmittag offensichtlich beliebtesten Taverne (mit wenig Aussicht) steige ich aus und versichere Panajóti, dass ich ihn für die Rückfahrt anrufen werde. Bei seinen fairen Preisen ist das keine Frage.

Insgesamt gibt es vier Tavernen, alle an der jetzt, im Mai, kaum befahrenen Durchgangsstraße gelegen, alle mit großen Grills irgendwo am Rand, machen Profitis Ilias zu einem gastlichen Ort. Einem aussichtsreichen noch dazu, denn von den Terrassen wenigstens dreier Tavernen – besonderes der einen am östlichen Ortsende - blickt man weit hinaus über die südliche Inselflanke.

Die Straße entlang sammle ich erste Eindrücke von dem netten, durch viele Pflanzen aufgelockerten Ortsbild. Beim östlichen Ortsende eine Sendestation, gegenüber erkenne ich den Beginn eines Fußpfades hinein in die Oliven. Den schlage ich ein, endlich wieder einmal so etwas. Wenigstens ein paar Minuten die Düfte, die Aromen genießen, den Anblick von Grün und Erde, und sich die wanderbeschuhten Füße vertreten. Der schmale Pfad ist nach meinem Geschmack, verzweigt sich.
Um die Ecke merke ich, dass ich über kurz oder lang auf einem der wesentlich tiefer gelegenen Feldwege landen würde. Girlandenartig führt eine fernere Hochstraße weit über mir um die Bergflanken herum irgendwo hinter. Es ist bestimmt die Straße von der Abzweigung am oberen östlichen Ortsrand, schon an der Waldgrenze.

So kehre ich lieber um, tipple auf der Teerstraße in die Ortschaft zurück, wende mich bei der ersten Gelegenheit nach rechts und schwitze die sehr steile Hangstraße hinauf, umgeben von Grün und Gärten, den ersten hohen Bäumen, einem klaren Bach mit sehr frischem, kaltem Wasser.

Hier gibt es sogar ein frei stehendes Haus mit Fremdenzimmern, alles ist noch verschlossen. Die Aussicht ist vom Allerfeinsten. Die Ruhe perfekt. Erholsamer Heilschlaf garantiert.

Neugierige Blicke hinter verschlossenen Fenstern streifen mich, den Eindringling in die Dorfgemeinschaft. Manch resolutere Frau tritt auch vor die Tür, mich aus 20 m Entfernung zu mustern, meinen Gruß in Empfang zu nehmen.

Ein herrliches Dörfchen! Schon der Spaziergang durch seine steilen Gassen ist eine Erholung für Auge und Geist.

Ganz oben angelangt, rechts zweigt eine hangparallele Straße weit hinaus in den Osten ab, wende ich mich nach links, gehe weiter zwischen einem Hühner-, Ziegen-, Schaf- etc. -Stall mit Hundebewachung und einem bergwärtigen dichten Eichenwald - die Sorte Velanidiés mit den ganz kleinen Blättern.

Unter hochgewachsenen Platanen kommt gleich unterhalb meiner Staubstraße dorfwärts eine im großen Stil eingefasste Quelle aus dem Berg heraus.
Alles ist weiß gekalkt, auch die Kapelle daneben. Trotz des Unrats im Wasser ist es ein geheimnisvoller, heiliger Ort, an dem ich im Schatten der Baumriesen Rast mache.

Nach einer Viertelstunde meditativen Schauens wandere ich gemächlich den Feldweg direkt am oberen Ortsrand weiter, hin zu einer Kapelle westlich außerhalb des Dorfes. Wieder eine kurze Ausblicksrast.

Dann gehe ich den Weg zurück, der mir besser gefällt als die Teerstraße, auf die mein Weg in Kürze getroffen wäre.

Jetzt auf einmal melden sich alle Ortshunde mit lautem Gekläff, obwohl ich mich ihnen gegen die Windrichtung nähere. Kleine Stimmen, größere Stimmen.
Der Straßenblinddarm unterhalb der großen Quelle führt mich nur zu einigen Häusern mit immer mehr gegenseitig alarmierten Kläffern. So entscheide ich mich für dieselbe Route zurück, hinunter zur Tavernenstraße.

Vor dem Haus oberhalb des Fremdenzimmergebäudes steht eine Großmutter auf der Terrasse. Die frage ich, wie die Bäume heißen, die ich gerade gesehen habe, zeige ihr ein Blatt. Die Tochter gesellt sich zu uns.
Als ich mich nach den Zimmern nebenan erkundige, wollen sie mir eines für 20 Euro anbieten, sagen, auch im September/Oktober – meinen möglichen Wiederkommenszeiten -koste es nicht mehr. Sie hätten sogar die Schlüssel eines Hauses, das Deutsche hier besäßen, passten darauf auf.

Aber ich habe mich schon in Kamariótissa eingemietet, würde nichtsdestotrotz gerne einmal zwei Tage hier oben wohnen. Für Autofahrer könnte dieser Ort als gutes, ruhiges Standquartier dienen.

Wieder steil bergab, bis ich auf der Durchgangsstraße angelangt bin. In der östlichsten Taverne wird bereits das Grillfeuer angefacht, Gäste fehlen noch.

Ich gehe zurück zum Kafenío und setze mich draußen an einen der Tische. Der Wirt, ziemlich vom Leben enttäuscht aussehend, versucht auf meine griechischen Fragen in fast unverständlichem Deutsch zu antworten. Ich wollte nur wissen, wo man hier am besten isst. Er meint, er selber habe nichts zu essen (- na, soo schlecht sind meine Griechischkenntnisse auch wieder nicht!). Nachdem ich mehrmals nachgehakt habe, bedeutet er mir schließlich, ich solle direkt gegenüber, in dem Terrassenlokal (ohne große Aussicht) über der Telefonzelle, einkehren, denn da „kriegte ich was geschenkt“ – es sollte die Kleinigkeit von süßer Nachspeise sein.

So begab ich mich also in jenes Restaurant, das schon von außen stärker herausgeputzt wirkt als seine Konkurrenten. Zwei Tische waren schon besetzt, und nach und nach kamen noch zwei, drei „Parées“, Freundesgruppen bzw. Kleinfamilien von Einheimischen, und ein deutsches Ehepaar. Das Lokal scheint bei den Samothrakiern einen guten Ruf zu haben.

Instinktiv hatte ich ein ungutes Gefühl, als ich die Hausherrin und Bedienung zum ersten Mal sah. Ihr Gesicht kam mir vor wie das einer Gierigen, Habsüchtigen.
Ihr Essen, – in der Küche steht der Ehemann – war fantastisch. Paidákia, lamb chops, hatte ich bestellt, mit Endiviensalat und einem halben Liter Hauswein vom Fass. Eine Mahlzeit aus dem Dorf, sozusagen, bis auf den Wein.
Dazu wurde ein Litergefäß köstlichen Quellwassers gereicht, für das der Ort Profítis Ilías berühmt ist.
Das Essen war mit den besten Zutaten bereitet, man schmeckte es sofort.

Die Rechnung wurde mir als Fremdem mehrmals „überbürstet“, die Preise mehrmals mit Kugelschreiber überschrieben, präsentiert – so als tappe man hier als Chefin des Hauses im Dunkeln, was den Preis für Paidákia und Maroúli Saláta anbelangt. Nicht unplump, muss ich sagen.
Das Fleisch alleine kostete nach endgültigem Ratschluss der Wirtsfamilie 10 Euro. Insgesamt zahlte ich an die 18 Euro für mein schlichtes Mahl. Verständlicherweise habe ich ausnahmsweise kein Trinkgeld gegeben. Ich weiß, was ich auf Kreta für dasselbe bezahle: die Hälfte.
Wäre ich doch zu der so sympathisch aussehenden Frau in der ersten Ortstaverne nebenan gegangen!
Nach diesem Ausrutscher zog es mich schnell weg von dem Brennpunkt des personifizierten Wuchers.

Unweit bergab hat man schon bald das Dörfchen Kastélli erreicht. Dort werden die Wege staubig, verzweigen sich viel stärker als auf jeder Landkarte ersichtlich, und man frägt sich am besten durch.
Ich wollte meinen Frust durch weites Laufen abbauen, irgendwann würde ich mein Taxi holen (lassen) oder zurückzutrampen versuchen.
Es war nicht nur Frust, ich wollte mir auch einen möglichst umfassenden ersten Eindruck von der Inselsüdseite erwandern und hatte noch reichlich Power in meinen Gliedern.

Fast genau zwischen Lákkoma und Dáfnes landete ich über irgendeinen, an ein paar verlassenen Häusern inmitten von Olivenhainen vorbeiführenden Feldweg wieder auf der Teerstraße. Ich war im absoluten, allumfassenden Olivengebiet angekommen. Hunderttausende von Eliés, ein Meer von ihnen, das prägende Merkmal des Südens von Samothráki sind die Ölbäume. Ein Meer, ein das ganze Land bedeckender wahrer Ozean von Ölbäumen. Da soll noch einmal jemand vom „kahlen Süden“ und vom so üppigen Norden reden. Der reinste Schwachsinn. Richtig ist vielmehr: im Süden Kultur-, im Norden eher Naturlandschaft.

Das Ortsschild von Dáfnes hielt ich für einen Irrtum. Das müsste doch schon Kitáda sein, oder? Nur ein kleines Mädchen zeigte sich in einem Garten, es gab mir keine Antwort.

Weiter also nach Kitáda. Bei jedem neunen Taleinschnitt mit entsprechendem Fluss, jeder neuen überwundenen Steigung, angesichts jeder sich anschließenden weiteren Senke dachte ich: das kann doch nicht sein, Kitada, so, wie es auf der Inselkarte eingetragen ist, müsste doch schon längst HINTER mir sein!
Ein aus der meerwärtigen Olivenseite auftauchender Mann mit Esel versuchte mir schließlich die Erklärung für meinen Irrtum zu geben.

Ich hätte vielleicht an der Kartenlegende erkennen können, dass hier streng zwischen „large village“ und „province with less than 1,000 residents“ unterschieden wird. Unter „province“ = «οικισμός» versteht der Kartenmacher im dechiffrierten Klartext eine weitest verteilte Streusiedlung mit 20 bis 50 Einwohnern, das stimmt dann insofern, mit den „weniger als 1.000 Einwohnern“! Die gute Französin hatte mir von „ihrem Dorf“ erzählt, wahrscheinlich ist es ein Häuschen draußen in den Oliven.

Aber alle Irrwege haben auch ihren Sinn. Man wundert sich über diesen unglaublichen Wasserreichtum. Jeder noch so kleine Taleinschnitt hat seinen Bach voller Gebirgsfluten. Wohlgemerkt: auch auf der Südseite! Der Unterschied zur Nordseite sind vielleicht die gelegentlichen Wasserfälle dort. Hätte ich mir die Gewässer aus der Nähe angesehen, ich wäre vielleicht immer wieder auf Schildkröten, Kröten ohne Schild und (Wasser)Schlangen gestoßen, wie sie hier zu erwarten sind.

Nicht so oft, doch immer wieder mal, kommt ein Bauernlaster an mir vorbei, voll beladen, sodass für mich kein Platz ist. Ein einziges Touristenauto zieht seine Bahn an mir vorüber dem fetten Sandstrand von Pachiá Ámmos zu.

Es handelt sich um eine entlegene Gegend, man findet sich verloren zwischen den nicht enden wollenden Olivenhainen, die Straße führt unbarmherzig weiter und weiter, auf und ab.

Ich glaube nicht, dass sie direkt zum Kloster Panagía Kremniótissa führt (- das entsprechende Riesenschiff der SAOS Lines heißt übrigens „Panagia Krimniotissa, also mit „i“ statt „e“-), diese Asphaltstrasse. Bei dem letzten Bauernhof, bevor es offenbar richtig bergab geht und sich der Blickausschnitt auf die türkische Imbros-Insel auftut, sieht man oben am Berghang auch dieses Marienkloster als Verheißung der wegmäßigen Erlösung. Es ist bestimmt nicht am Ende der Straße gelegen, wie es die ansonsten ganz gute Karte im Maßstab 1 : 50.000 suggeriert. Denn die Straße runter zum langen Sandstrand ist längst fertig.

Wie mir der Bauer, der mich schließlich hinten auf die zwanzig Heusäcke seiner Ladefläche aufsteigen lässt, später im Kafenio von Lákkoma sagt, wäre es noch ein ganz schönes Stück Weges hinunter zum Strand gewesen. Ich hätte recht getan umzukehren. Zum Baden viel zu kühl, das Wasser.
Im Sommer fahren übrigens öffentliche Busse hinter nach Pachiá Ámmos, wo sich dann auch eine geöffnete Taverne befindet. Spätnachmittags wird man wieder abgeholt. Nur - im Mai fährt leider gar nichts.

Ein holpriger Weg zurück. Jetzt spüre ich, trotz der Heuunterlage, alle asphaltlosen Querrinnen in den so kleinen Taleinschnitten. Irgendwann kommen wir in einem großen Dorf an. Als ich frage, wo wir sind, heißt es laut: „Lákkoma!“

Vor versammelter Kafenio-Besatzung steige ich von der Ladefläche. Der Bauer, mein Transporteur, ist sehr selbstbewusst. Freut sich wohl ein wenig, kurz im Mittelpunkt zu stehen, obwohl er generell keine Probleme mit dem Selbstbewusstsein hat. Ich will ihn auf was einladen. Statt dessen lädt er mich ein.

Ich spreche von meinem Taxifahrer Panajóti, und mein Landwirt fordert mich auf, gleich von der Telefonkabine vor dem Kafenio aus anzurufen, der Herr sei aus dem Ort und gerade in seinem Haus. Ich rufe an und es klappt, nach 5 min ist Panajotis vor dem Kafenío. Reiner Zufall, meint er, denn normalerweise sei er nur nachts zum Schlafen in Lákkoma.

Auf dieser Rückfahrt nach Kamariótissa erzählt mir Panajotis, dass er lange in Deutschland gearbeitet hat, wie praktisch jeder hier. Ich hätte auch Deutsch mit ihm sprechen können. Wir bleiben aber bei Griechisch - ich überfordere mich gerne etwas.
Sichtlich betroffen ist der ehrliche Kerl als er erfährt, wie viel ich bei der Habgierigen in Profíti Ilía für das Mittagessen bezahlt habe. Entschuldigend erläutert er mir den horrenden Preis, den jeder nun schon für ein Kilo Fleisch beim Metzger/Fleischer/Schlachter/Fleischhauer bezahlen muss.
Der Durchschnittstagesverdienst eines Griechen liege bei 35 Euro ((netto oder brutto?)). Niemand komme mehr mit seinem Geld aus. Der Euro sei für die Griechen ein Fanal, ein noch viel schlimmeres als für uns Deutsche, alles laufe seit seiner Einführung zum Schlechteren hin. Alle in GR seien unzufrieden.

Nicht einmal ein Trinkgeld will Panajotis akzeptieren, bei etwa 6 Euro Fahrgeld. Doch ich bleibe hart, es waren heute schließlich schon zwei Fahrten, und wenigstens einmal soll er deutlich mehr kriegen.

Als wir in Kamariótissa ankommen, legt gerade die „Nissos Limnos“, von Alex’poli her kommend, an.
Die Deutschen, die am Vortag mit mir von Limnos aus angereist waren, steigen nun wieder aufs Schiff, ihr Ausflug ist fast zu Ende. Ein Bus mit einer holländischen Reisegruppe fährt an Land. Die Leute werden wohl irgendwo im Inselnorden untergebracht, denn ich sehe kurz darauf niemand von ihnen mehr im Ort. Vielleicht hat sie auch eines der drei Hotels vor dem östlichen Ortsende verschluckt.

Nach meiner Dusche setzte ich mich wieder ins Eckkafenio bei der Einmündung der Chora- und Südliche-Inseldörfer-Straße, auf einen Ouzo. Unweit von mir, bei der östlichen Konkurrenz, hat ein Paar Platz genommen, das mir bekannt vorkommt. Schon ihr älteres Baujahr von rotem Mercedes mit Karlsruher Nummer hat mich auf sie aufmerksam gemacht.
Mit denen hab ich schon zweimal auf Kárpathos gesprochen. Es wird wohl bald eine Neuauflage des Thassos-und-Samothraki-Führers geben (?).
Da ich mich nicht aufdrängen will und mir vorstellen kann, wie Leute reagieren, die ständig als die tollen Autoren erkannt werden, denke ich, es hat Zeit bis morgen. Da seh ich die beiden aber einfach nicht mehr. Ich hab wohl die andere Richtung gewählt, die falsche Inselseite.

Der dritte Tag

Schön wird er werden, der Tag! Alle Busverbindungen (mit dem einen von vier Bussen, versteht sich) sind heute, Montag, aktiviert, und was will man mehr?

Eine beschauliche halbe Stunde beim nun anwesenden Kafetzí neben dem Zeitungs- etc. –Laden. Dann die Bougátsa, dann noch ein Kaffeechen im Taxi- und Busfahrerkafenio (Neues ausprobieren), wo ich dem Buslenker sehr nahe bin.

Er erhebt sich, und ich trotte ihm nach. Noch ein Paar, Touristen, und ein griechischer Fahrgast und Bekannter des Odigós beleben die Passage nach Therma/Loutrá.


IM INSELOSTEN


An der Abzweigung von der Küstenstraße nach dem nahen Loutrá bitte ich um einen Stopp, springe aus dem Bus und mache mich auf den Weg nach Ost. Hinter mir diskutiert das Paar eine Weile mit dem Busfahrer, steigt dann ebenfalls aus und folgt mir. Ich hatte sie offenbar indirekt auf eine Idee gebracht.

Wie anders diese Seite, der Inselnorden, doch erscheint, im Vergleich zum Süden, dem Olivenland, das ich gestern zum Teil erwandert habe.
Auf der heutigen Seite stehen völlig andere Pflanzen, die Vegetation ist total verschieden von der jenseits der Berge. Da ich mich hier freiwillig dem Gebirge viel mehr nähere, werde ich sogar unterschiedliche Vegetationsstufen hautnah erleben.

In zügigem Tempo staune ich Kilometer für Kilometer die recht breite und fast gar nicht befahrene Teerstraße entlang. Überall Farne. Platanen, salzliebende Pflanzen in richtigen Dickichten. Immer wieder überquert man Bäche mit fast alpiner Stein- und Kieselszenerie. Ein Touch einiger Stellen der Nordseite von Samos, denke ich.

Zum nahen Meeresufer sind es maximal 100 m, das erste Stück. Kleine Stichwege verleiten hier bestimmt Wohnmobilfahrer zum Dauerparken unter dem Blätterdach. Doch hier hinten bestehen die Strände bestenfalls aus großen, abgeschliffenen Steinen. Nicht unbedingt das Paradies für Strandfreaks. Wenn man mal auf eine grobkiesige Partie trifft, kann man sich wirklich freuen.
Dieselbe Üppigkeit auf der bergwärtigen Seite, eher noch viel mehr! Eine breite Gebirgsfußfläche liegt hinter dem ersten Busch- und Platanenwald. Die Berge treten stark zurück, sind erst nach etwa einer halben bis dreiviertel Stunde Fußmarsch erreicht. Auf den paar Feldwegen, die ab und zu Richtung Berge führen, geht es bestimmt etwas schneller.

Zwei Militärfahrzeuge zockeln mir entgegen.

Aber der Reihe nach, με τη σειρά! Zuerst, vielleicht 1 km nach dem ersten Abzweig, wo ich den Bus verließ, gehe ich an einer weiteren Abzweigung nach „Therma“ vorbei – sie ist auf der Inselkarte (Σαμοθράκη – Τουριστικός Χάρτης. Κλίμακα 1:50.000) noch nicht eingetragen, wie auch die weiteren Feldwege. Ich nehme an, die bombastische, breite Teerpiste inmitten der Einöde führt in großem Bogen ebenfalls zu dem Örtchen Loutrá = Therma. Kann sein, dass ein Hotel vorab den Straßenbau rechtfertigt – ich bin die Strecke nicht gegangen.

Schon zum zweiten Mal fährt dieser weißliche VW-Bus mit südwestdeutschem Kennzeichen an mir vorbei.

Links taucht der erste Campingplatz auf. Ein verlassener Sportplatz gegenüber, neben der Staubstraße zu einer Forstverwaltungsstelle und irgendeinem Weiler.
Gleich hinter dem Eingangstor wird schon für die Saison geputzt. Eine Telefonkabine sehe ich, einen Minimarket im oder beim Empfangsgebäude, zwei drei Arbeiter. Blicke über den Zaun des wirklich lang gezogenen Platzes, der mit reichlich Bäumen, einem richtigen Wald, gesegnet ist. Zwischengestreute Dusch- und Toilettenbauten gliedern das Waldgebiet. Am Platzende bald eine Lichtung für Wohnmobile – es ist nur keines da. Darf wohl auch nicht, wegen der Brandgefahr, wie man liest.

Einige Häuser linkerhand. Ein neu gebauter „Tempel“ auf offener Wiese, Stolz seiner Eigner, hässlich wie er sein mag. Es ist die Stelle, wo ich an diesem frühen Vormittag noch Tausende dieser kleinen Frösche, wahre Miniaturen, auf der Straße antreffe - zuletzt habe ich so eine Minifrosch-Kongregation auf einem Feldweg im Schilfgebiet des Neusiedler Sees (Nähe Wien) südlich von Illmitz angetroffen, wir trauten uns auf unseren Rädern kaum weiter, um die 2 bis 3 cm großen Geschöpfe nicht zu überfahren.
Eine feuchtere Stelle, jedenfalls, neben der Straße. Auf dem Rückweg würde es bereits zu warm sein für ein erneutes Treffen mit den Quäker-Kids.

Wen aber treffe ich denn da, gleich nebenan und wenig später? Auf einem eingezäunten Grundstück auf der Meerseite mit Bäumen zur Straße hin stehen zwei orangefarbene deutsche Straßenbauwagen der alten Sorte, Modell „unsere Kindheit“, aber neu gestrichen, 25-km-Schildchen (rund) drauf, zugehöriger Schlepper fehlt. Daneben der weißliche VW-Bus. Die glücklichen Besitzer halten sich im Freien neben ihren diversen mobilen Bleiben auf. Frau hat gerade geduscht. Mann lässt sich fragen, wie er denn das geschafft habe, gut 1.500 km weit zwei solche Getüme aus BW hierher zu schleppen??? „ADAC“, ist die knappe Antwort. „Tieflader.“ – Statt Hausbau, denke ich. Sieht nicht gut aus, ist jedoch eine praktische, Kosten sparende Lösung. Diese verrückten Deutschen! Auf Ideen kommen die.

Wieder in unberührteres Gelände, weiterwandern. Der Asphalt stört nicht. Meine beiden Verfolger sind längst nicht mehr zu sehen. Dieselben Natureindrücke wie vorher. Links und rechts. Morgenstille.

Nach Kilometern ist die Parkfläche vor dem Mörder-Fluss erreicht, unweit davon befindet sich der zweite Campingplatz. Endlich am Foniás-Fluss angelangt.

Der Weg den Bach entlang, über ihn rüber, wieder zurück, gestaltet sich nicht ganz unschwierig. Es ist nämlich total schlammig, noch gegen Ende Mai. Wie Januar/Februar in Oberbayern, ähnlichen Bachufern folgend. Eine Überraschung.

Im Schlamm waten. Wenn das so weitergeht! Weiter geht es nach der Kletterei über den Baumstamm, der als Brücke über den Wassern dient, dann bald nur mehr am rechten Ufer, in Fließrichtung, also am linken in Gehrichtung, bergwärts. Die Wegmarkierung ist überdeutlich. Entscheidungs-Störungen treten auf, als eine zweite Farbe eine Alternative links über dem Ufer signalisiert, die ich nicht gehe.

Wo sind die vielen Schlangen, die Wasser- und Landschildkröten, auf die ich so gespannt bin? Nichts zu sehen! Zu schnell will ich weiter, das ist wohl die Erklärung. Höchstens eine knappe Stunde dauert es, bis ich an der Wasserpfanne unterhalb des imposanten Kataraktes angelangt bin, wo man stehen soll, bleiben und betrachten. Sich freuen und die Sondersituation auskosten.

Niemand anders ist da. Ein Warnschild. Zum zweiten Wasserfall irgendwo da oben im Fels, der hier jäh beginnt, sei es wirklich gefährlich! Nichts für Ungeübte.
Ha, erst einmal über das Wasserbecken zu Füßen der Kaskade rüberkommen!

Ach, deshalb die provisorischen Latten auf zwei Steinen im Wasser. Ist aber nicht so einfach, da trockenen Fußes zu passieren. Die hohen Gummiwulste meiner neuen Wanderstiefel tun ihren Dienst. Mein Teleskopstab ist wieder einmal unersetzlich, der Wassergeeignete, wie auch gleich nachher, als es sehr steil durch einen Einschnitt im Fels bergauf geht. Ohne diesen Stock wäre der Aufstieg wirklich mühsam gewesen. So ist es relativ ungefährlich, ohne ihn wäre es ein gewagtes Unterfangen geworden, das man tunlichst nicht alleine auf sich nehmen sollte!

Ein bisschen klettern, dann geht es auf Erde weiter, unter Bäumen, steil, steil. Den Wanderstab reinstemmen ins Erdreich. Oben quer über die Lichtung, den Hang nach links, rein in ein Wäldchen, bald wieder raus und weiter hoch. Wieder links auf einem Pfad auf Felsen zu. Dahinter endet der Weg abrupt. Hinter der Engstelle bei einem großen Felsen kommt ein Steilabfall, von dem aus der obere, zweite Wasserfall da hinten einigermaßen gut sichtbar ist.

Man fühlt sich bereits sehr weit oben, genießt eine superbe Aussicht. Der Hang gegenüber, mit Wald, Portal zu höchsten Höhen. Die Schlucht. Die höheren Berghänge. Gipfelfetzen. Das Bergvorland. Das Meer. Ein Schiff, das sich der Küste nähert.

Bestimmt kann man durch den Wald noch höher steigen, vielleicht findet sich bald ein weiterer Pfad. Doch mir reicht’s erst einmal, ich glaube mich schon im Hochgebirge, klopfe zumindest unten an. Alleine will ich nicht weitersteigen ins Unbekannte.
Irgendwie gut, zum ersten Mal guck ich nicht ständig in einen Reiseführer, ich hab nur einen australischen mit, der überhaupt nicht ins Detail geht, was Wanderungen auf Samothráki betrifft. Wie schön, einfach mal draufloszugehen, frei nach Schnauzrichtung, ohne Vorschriften!

Was mich fasziniert, sind die eigenartigen Bäume, richtige Wälder aus knallrotstämmigen, sehr kleinbrättigen, 3 bis etw 5 m hohen (für mich) Exoten. Sie sehen alle aus wie angemalt, doch es ist eine Naturfarbe, ohne menschliches Zutun. Schön, einmal so etwas sehen zu können. Ohne eine Menschenseele rundherum. Es fehlt eigentlich nur ein (kretischer) Bergadler, oder ein herumtorkelnder Geier (wie am Sweetwater Beach, Gliká Nerá, westlich von Chora Sfakíon, Südwestkreta).

Zurück gehe ich einen anderen Weg. Schon beim Aufstieg hab ich einen Pfad auf den Hang reinkommen sehen, der vielversprechend ein gutes Stück westlich des Foniás-Bachtales ins küstennahe Land zu führen scheint. Ich folge ihm einfach mal.

Nach den Höhenwäldern kommt sehr bald freieres Gelände. Sanfter geht es bergab. Dann ist eine Weidelandschaft erreicht, durchsetzt mit vielen Eichen, teils Wäldchen, meist aber nach wie vor offenes Land. Viele ehemalige, zusammengefallene Mäuerchen werden immer wieder von den sich vielfältig verzweigenden Pfadarmen als Stolperschwellen überquert. Man überlegt, ob es besser ist, sich näher an der Kante zum Flusstal zu halten oder sich weiter nach West driften zu lassen, nimmt meterweise irgendeine der sich anbietenden Wegalternativen.

Ziegen, wie ich sie in ihren typischen Farben im Foniás-Tal laufen sah, sind nun hochgeklettert und ziehen etwas rechts von mir durch die Gegend. Ich bleibe in Nähe der Abbruchkante, vielleicht maximal 300 m von ihr entfernt.

Fast habe ich vergessen zu erwähnen, wie unglaublich schön es hier ist, in diesem Zwischenlandstrich. Hinten Hochgebirge, vorne gut abgeschottete Küste. Kargheit, eine Herde Schafe oder Ziegen in der Ferne vor einem Wald. Absolute Stille. Kein anderer Mensch irgendwo. Und ich befinde mich so nahe an der Küstenstraße! Steinige Ebene, Bäume, Naturwiesen, Grün, Wildheit. Trotz Weide eine ungezähmte Gegend, für meine Begriffe.

Hatte der Grieche hinter der Theke auf der „Nissos Limnos“, der so lange mit einer Deutschen verbunden war – und deshalb so gut unsere Muttersprache spricht, doch (teilweise) Recht? Es gebe nur EINE allerschönste Insel in Griechenland, seine Heimatinsel: Samothráki! Sympathischer Chauvi, hatte ich zuerst gedacht.
Aber Kreta ist doch alles in allem noch großartiger, trotzdem. Es besteht halt aus vielen Samothrakis (nicht ganz so, denn S. ist natürlich schon was Besonderes!), hat wegen seiner Ausdehnung viel länger mehr zu bieten. In erster Linie für den, der sich hinaus- und vor allem hinaufwagt in die Berge und ihre Hochebenen. In die entlegeneren Gegenden, wo man noch autofrei wandern kann.

Lichtes Gehölz, eine Feldwegkreuzung taucht auf. Um zur Straße zu gelangen, gehe ich den Weg geradeaus weiter. Ob es wohl einen Durchlass durch den Zaun gibt? Ja, bald finde ich das offene Tor und bin schon auf dem Rückweg nach Therma.

Kleine Trinkpause unter Baumriesen neben einem die Straße unterquerenden Fluss. Überall die großen, abgerundeten, zurechtgeschliffenen Steine. Richtige Becken, Wasserpfannen in solchen Bächen.
Kleintümpel neben der Straße, aufgestautes Wasser mit Kaulquappen, kleinen Fröschen.

Am Campingplatz wieder die in aller Ruhe vorangehenden Reinigungsarbeiten. Eine Arbeitsidylle, man hat noch lange Zeit.


THERMA/LOUTRA


Vorne an der Abzweigung, wo ich aus dem Bus gestiegen bin, biege ich in die Stichstraße nach Loutrá ein. Auf dem überflüssigen Gehsteig der einen Straßenseite ebenso überflüssige hohe Straßenlampen, deren Pfosten jeden Fußgänger zu Ausweichmanövern zwingen.
Noch vor dem Örtchen liegt rechterhand das Badehaus, klein, bescheiden und ungenutzt, davor fließt ein gurgelnder Gebirgsbach.

Der Bach begrenzt die Freiterrase des Platanen-Kafeníos vor dem Ort. Es wurde inzwischen stark ausgebaut, alte Fotos zeigen es noch wesentlich kleiner. Heute ist wenig los. Ein neues britisches Paar, sie in ihrer leichten Seidenbekleidung und den kurzen Hosen allmählich frierend, wartet beim Bier bereits auf den nächsten Bus, der hier wendet und in den Hafenort K. zurückkehrt und den auch ich nehmen werde. Weiter in den Osten fährt im Mai noch kein öffentliches Verkehrsmittel.

Eine Runde drehe ich nun durch die schattige Ortschaft. Sie wirkt fast ausgestorben, es ist Nachmittagsruhezeit. Am unteren Ende, wo es hinter geht zum geschlossenen Hotel, haben ein Schnellimbiss mit Tischen unter den Bäumen und nebenan ein Minimarket geöffnet. Im rechten Winkel davor gehe ich erst einmal hügelaufwärts, passiere lauter kleinere und größere Pensionen. Nur auf einem, zwei Balkonen sehe ich Handtücher und Wäsche von Gästen. Auch hier tote Hose, von der Atmosphäre her noch viel schlimmer als in Kamariótissa.

Hier herrscht zusätzlich eine himmlische Ruhe, leider gepaart mit einer typischen Am-Ende-der-Welt-Stimmung. Auf der waldwärtigen Seite dieser randlichen Dorfstraße eine Unterkunft quasi im Wald, wohl eher ein Restaurant, in der Saison – wirkt ein bisschen wie ein Jugendlager. Oben drehe ich nach links, bis es in einer Sackgasse nicht mehr weitergeht. Schöne Zierpflanzen säumen meinen Weg, einige verfallende Bauten.
Irgendwo schräg weiter, quer durch die verschlafene Siedlung. Einmal ist jemand zu sehen, der in aller Ruhe einen Zaun streicht. Die Tavernen wirken alle dicht. Es sind auch keine Kunden da. Vor einem der Häuser mit Fremdenzimmern traut sich eine Frau mich anzusprechen, ob ich eine Bleibe suche.

Ich hab die Lust verloren, hier alleine im Schnellimbiss zu speisen und begebe mich auf ein Bierchen ins Kafenío, freu mich auf den Moment, wo es weitergeht per Leoforío. Es ist noch etwas Zeit, den Feldweg am Badehaus vorbei auf einen Aussichtshügel mit Sitzbank zu nehmen, von der aus die Straße gut einsehbar ist. Aber schon nähert er sich, mein Bus.


DAS ABENDGEWITTER


Zurück in Kamariótissa, beehre ich nach einer Dusche das Ecklokal meiner Zimmerwirtin. Es ist zu dieser nachmittäglichen Stunde ganz gut gefüllt. Ich ordere Garídes, krieg eine Menge frischer Meeresleichen.
Die Art, wie ich die Chitinschalen mit den Fingern entferne, bevor ich das weiße Fleisch essen kann, amüsiert einen griechischen Nachbartisch, der sich kurz und erstaunlich diskret darüber auslässt, dass der Fremde nicht wisse, wie man Garides isst! - Die haben noch nie was von der italienischen Art gehört oder gesehen, solches Meeresgetier aufzuknacken. Hier in Greece isst man die ganz anders, nämlich GANZ. Ganz pragmatisch natürlich, ohne große Mühe. Das Chitin schadet nicht, verdaut sich schon! Also, lasst es knacken, Leute.

Herumhängen im Kafenio, sich erneut etwas die Füße vertreten.
Abends kommt auf einmal ein starker Wind auf. Das macht mir unheimlich Lust, mich hinaus zum knapp 2 km entfernten Westzipfel der Insel mit den Windkraftwerken treiben zu lassen.

Dieser erfrischende „Windgeruch“, es riecht gleichzeitig nach Meer und nach Pflanzen. Der Himmel im Südwesten verdüstert sich hin zu einem drohenden Unwetter.
So recht nach dem Geschmack eines Luftwesens wie mir. Lehn dich in den Wind, stürz dich in den Sturm, Windanbeter!
Hinaus aus dem Ort, immer am Ufer entlang. Auf das Betonmäuerchen neben der Straße rauf, da geht es sich gut. Der letzte Wanderer kommt gerade noch rechtzeitig nach Hause / nachhause.

Ein Nordoststurm braust aus der Ukraine heran, die Gewitterfront aber nähert sich aus der entgegengesetzten Richtung: aus Südwest!!! Zum ersten Mal erlebe ich so ein Phänomen. Ich traue meinen Sinnen nicht. Bei uns zu Hause kommt der Wind immer aus der Richtung der Gewitterfront ... Hier auf Samothráki befinde ich mich, wie es scheint, genau in einer der Aufgleitzone entgegengesetzten Unterströmung, die aus Südwest einströmende Luft schiebt sich in größerer Höhe über mich hinweg. Es ist eindeutig ein Frontengewitter.

Ich lasse mich also vom Wind hinaustreiben, die ersten leichten Tropfen fallen, die Zigeuner bauen in Windeseile ihr Lager ab und fahren ihre Autos weg.
Bald hinter der Kapelle komme ich zu einer Land-Engstelle, schau mal runter zu dem seichten See, der als flache Bucht bis fast zur Nebenstraße reicht, während es auf der Nordseite auch nur wenige Meter sind zu den heranpeitschenden Wellen.

Der Regen wird zum Gießen, und ich muss Schutz suchen, es bleibt nur das kleine Häuschen bei den Windrotoren, das eine überdachte Eingangsterrasse von ein paar Quadratmetern Größe hat. Im starken Regen komme ich dort an. Wie gut, einen Unterstand gefunden zu haben. Mein Thermokissen ist mir jetzt von Nutzen. Ich breite es auf den Betonboden, setze mich dicht gegen eine Tür, gerade noch außerhalb der herwehenden Nässe.

Das währt leider nicht sehr lange so, der Sturm treibt den Regen bis zu meiner Sitzecke vor, Blitze zucken rund um mich ins Meer runter, und ich bekomme allmählich Angst, mich so dicht an den eisernen Windrotoren aufzuhalten. Als ich aufstehe, wird mein Sitzkisten sofort in die Landschaft gefegt. Ich stürze hinaus, finde es zum Glück irgendwo eingeklemmt, werde ganz nass.
Eine Ortsveränderung tut Not, trotz und zugleich wegen der Blitz-Gefahr. Ich wage es, eile die Straße vor zur Kapelle auf einer Anhöhe. Unter dem Vordach der Kirche pausiere ich, fröstle, bevor ich mich hineintraue. Endlich zischt ein Auto mit jungen Leuten an mir vorüber. Die wollen vielleicht auch einen Kitzel erleben, da vorne. Kurze Zeit später sehe ich, dass die Windrotoren stillstehen, soeben abgeschaltet wurden.
Draußen hat es gewaltig abgekühlt, drinnen finde ich die nötige Wärme, versaue jedoch den schön geputzten Boden hinter der Eingangstür total. Die Straße hat sich in eine Abfolge von Seen verwandelt. Matsch und Schlamm sind die prägenden Elemente im Gelände. Seit gut 45 min regnet es.

Noch eine gute Stunde sollte ich mich beim Heiligen Nikólaos aufhalten, es gewitterte und schüttete unaufhörlich weiter.
Auf Schuhabsatzspitzen stake ich zum Fensterchen hinter dem Altarraum vor, auch einmal einen Blick Richtung Berge und Ort einzufangen.

Als es endlich heller wird, fällt mir ein, dass es doch einen REGENBOGEN geben könnte!
In der Tat, meine Erfahrung gibt mir Recht. Durch das Fenster beim Altar tut sich mir das Lichtphänomen in all seiner Großartigkeit auf. Ein Riesenregenbogen spannt sich aus meinem Blickwinkel gleichmäßig über die ganzen westlichen Berge, rahmt sie sozusagen ein. Ein göttliches Geschenk. Das Abendlicht mild, es ist immer noch hell.

Durch den Schlamm und die Großpfützen suche ich mir einen Weg zum Ort zurück. Meine Gedanken sind bei der armen Frau, die den kommenden Morgen meine erdigen Fußspuren in der Kapelle aufputzen müssen wird.

Da werde ich mich schon an Bord der „Arsinó-i“ befinden, mit Kurs auf Alexandroúpoli.


Nach Alexandroúpoli und Évros (25. Mai 2004)
Geschrieben an mehreren Abenden aus der Erinnerung.

Gewidmet dem unvergleichlichen Autorengespann Ute Latermann und Rainer Karbe
(rororo. „Anders Reisen. Nördliche Ägäis“. Leider im normalen Buchhandel nicht mehr erhältlich).

DIE ÜBERFAHRT

Gestern war ein schiffsfreier Tag gewesen, nichts für Leute, die zur Hauptstadt der Provinz Évros auf dem thrakischen Festland übersetzen wollten. An jenem Montag kam das mittelgroße Fährschiff namens „Arsinoi“, gesprochen „Arsinó-i“, zwar von der großen thrakischen Stadt her an, blieb jedoch bis zum Folgetag in Kamariótissa liegen – wie man mir in der SAOS-Fahrkartenagentur voraussagte.
Alle Zimmervermieter freuen sich über so eine erzwungene Verlängerung ihrer Belegungen, und für mich bot sich Gelegenheit, eine Gegend des mir unbekannten Nordens Samothrákis etwas intensiver zu erkunden.

Wenn man sich an die „Nissos Limnos“ gewöhnt hat, wirkt die „Arsinó-i“ relativ klein. Sie sollte sich andererseits als sehr stabil in den Wellen liegendes, äußerst seetüchtiges und sehr zügig dahineilendes Vehikel erweisen. Eine angenehme Überraschung. Ich würde sie nicht ohne Not verkaufen!

Zum vierten Mal gönne ich mir als Frühstück die ungesunde Bougátsa-Kréma mit etwas, nur einer Spur, Puderzucker und wesentlich mehr Zimt und einem großen Glas Wasser bei dem gut aufgelegten Dauerverschwitzten gegenüber der Kirche.

Mit jedem Tag gewinnt man an Souveränität, als Neuling auf einer Insel, diesem auf die Spitze getriebenen Symbol des menschlichen Lebenskampfes in all seiner gemeinsamen wie persönlichen Isolation.
Es ist jedesmal schade, wenn man sich wieder verabschieden muss, auf dem Weg zu ganz anderen, neuen „Herausforderungen“ – um es im Wirtschaftsslang auszudrücken.

Die vielen kleinen Abschiede im Leben. Oft fallen sie richtig schwer. Auch Samothraki war gar nicht so ohne. Die zunächst unbedeutenden Erlebnisse, nicht alles habe ich geschildert. Die Bergspitzen, richtig von unten her abgeschnitten im Rahmen des längeren Gebirgsgrates, der die ordnende Oberhand behält – so kommt es einem vor. Das Gewitter. Die beiden gänzlich unterschiedlichen Inselseiten. Der Wasserreichtum rundherum. Die südenglisch anmutenden Getreidefluren im Westen. Die Baumgürtel. Nette Leute. Andererseits skrupellose Kleingeister ohne Weitblick, die die Rechnungen frisieren - welch unabsehbaren Schaden sie anrichten in diesen schwierigen Touristenzeiten. Die paar Mittouristen. Die Tristheit der Vorsaison. Der Anblick des Kremniótissa-Klosters über den Oliven neben dem sich dem Auge bietenden Ausschnitt eines Teiles der so nahen türkischen Nachbarinsel Gökçeada (Imbros), die ich zunächst für Limnos gehalten hatte.
Alles addiert sich auf zu einem beeindruckenden Gesamterlebnis, das meiner ganz individuellen Geschichte, meiner Biographie, hinzugefügt wird und das ich nicht missen kann und möchte.
Deshalb fällt auch dieser Abschied nicht leicht.

Nach Art einer Theaterkulisse schiebt sich die Nordküste der Insel immer weiter zurück, lässt die markanten, wenn auch nur in ihren höchsten Höhen etwas hervorgehobenen, also nicht besonders tiefen oder langen, oder abgehoben hochragenden Berggipfel Samothrákis deutlicher hervortreten, in einer szenischen Großartigkeit vergleichbar mit dem Schlussbild der vorletzten „Götterdämmerung“ unter Sawallisch, als der Loge Robert Tear, den Finger nachdenklich ans Kinn gelegt, bedächtig in die unendlichen Tiefen der riesigen Münchener Hinterbühne schritt, bis an die Außenmauern des Operngebäudes, während die bis dahin bekannte Weltordnung im Untergang begriffen war – und die Oper fragend endete.

Aus Göttergefilden grüßt von fern der Sáos herüber (ist er dem naxiotischen „Zafs“ gleichzusetzen? – dem neuen Göttervater Zeus, Ablösung der uralten anatolischen Kabiren?), mit seinen höchsten Inselgipfeln, während der kleine Draufgänger von Fähre richtig Dampf macht, gleichmütig und äußerst stabil die bewegten Wellen teilt – ein Glücksfall der Schiffsbaukunst, gemessen an seiner immer noch bescheidenen Größe, auf die neue, ganz andere Stadt zusteuert.

Die abreisenden Samothrak(i)er haben sich im Salóni ( dem Wohnzimmer) der „Arsinó-i“ versammelt - dass hier so viele Griechen anwesend sind, äußerst sich in einem dicken Zigarettenqualm, der den Raum übermystisch einnebelt. Irritiert von dem die Lungen akut gefährdenden Kampfgas, versammeln sich mehr und mehr Mitglieder der niederländischen Busreisegruppe auf dem (unteren) Oberdeck, draußen in der frischen Luft.

Lohnt sich auch, ohne Frage. Imbros ist schon längst augenfällig, nur wo seine Grenzen liegen, darüber lässt sich heftig streiten.
Seine Grenzen verschmelzen in vollendeter Manier mit den Randbergen der türkischen Dardanellen, dem Hellespont, auf Griechisch. Auch wenn man weiß, dass Imbros nur höchstens anderthalbmal so lang wie Samothráki ist, fällt es schwer, die Grenze zu ziehen, angesichts eines von der Natur so perfekt eingeblendeten Hintergrunds. Ich überlasse die Entscheidung späteren Betrachtergenerationen.

Eingefleischte Nordgriechenlandfanatiker haben sich wahrscheinlich sowieso der thrakischen Gebirgskette zugewandt, die einem als Abglanz noch weiter nördlich und besonders westlich auftauchender rhodopischer Grandezza von Norden her mehr oder weniger kontrastreich entgegenschimmert.

Nach spätestens anderthalb Stunden erkennt man, wo es langgeht.

Flaches Festland tritt einem entgegen, und eine Stadt leuchtet weiß aufs thrakische Meer hinaus.
Sie umfängt den Ankömmling mit den weit ausgestreckten steinernen Armen einer langen Mole bzw. Kaimauer, die beide einen erstaunlich großen Hafen in sich bergen.



ERSTE FÜHLUNGNAHME MIT ALEXANDROUPOLI

Eine breite Häuserfront in nur leicht ansteigender Terrassierung zieht sich kilometerweit die Küste entlang. Alles macht einen recht modernen Eindruck, die Straßenzüge sind gitterartig ausgerichtet, die Altstadt sucht man vergeblich.

Schon beim Andocken am rechten Winkel der großen Mole mit einem kleineren ostwärtigen Ast, an dessen Ende sich die Kafenío-Taverne einer Hafenorganisation befindet, spüre ich, dass ich diese Stadt mögen werde. Sie liegt mir auf Anhieb. Wohl auch wegen ihrer großzügigen Weite und der wohltuenden geographischen Lage zwischen den sanften östlichen Rhodopenausläufern, der Thrakischen See, den Inseln und Dardanellenbergen und der östlichen Ebene mit der einzigartigen Naturlandschaft des riesigen Évros-Mündungsgebiets, dessen östliche Partie bereits auf türkischem Territorium liegt.

Die Steigung hinauf zur Uferpromenade ist bald überwunden, ich wende mich nach Ost, gehe vor bis zum recht hübschen Eleftheriás-Platz mit seiner Grünanlage beim über dem Ufer gelegenen Bahnhof. Frage mich dort durch, denn ich hatte gedacht, ich würde gleich bei dem rundlichen Plätzchen mit den Tavernen landen. Kommt davon, wenn man nicht auf den Plan im Buch schaut. So muss ich etwas weiter nördlich den breiten Boulevard namens Leofóros Dhimokratías mit Straßencafés, Kiosken, Modegeschäften und viel Leben in westlicher Richtung zurückwandern bis zur Einmündung der 14.-Mai-Straße, in die ich nach Nord einbiege.

In der ersten Querstraße links liegt der Busbahnhof, nur 50 m drin, gut zu wissen. In der nächsten Querstraße links, unweit des Kiosks, liegt mein Hotel, an dem ich erst vorbeilaufe, da die schwarzen Sonnenschutzscheiben dem Haus ein unbewohntes, ja totes Aussehen geben.
Für 20 Euro (Monóklino, ja mia níchta) beziehe ich schließlich das hübsche, saubere Zimmer mit Balkon, aber ohne eigenes Bad. Mit hätte es eher 30 Euro gekostet. Gegenüber eine griechische Balkonlandschaft vor Wohnungen, hoch über der Seitenstraße.
Im Hotel „Lido“ in der Paleóglou-Straße 15 herrscht schon am Empfang eine angenehme Atmosphäre. Man wird angestrahlt, kriegt Komplimente, wenn man es auf Griechisch versucht, hat den Eindruck, tatsächlich als Gast zu gelten. Die Lage des Hauses ist so optimal, dass ich auch aus diesem Grund ohne zu zögern gerne wiederkommen würde.

In nur zwei Minuten bin ich am Busbahnhof, dem Sammelpunkt aller möglichen Völkerschaften und Menschentypen mit wirklich guter, ruhiger Stimmung, gemischtem Publikum an den Tischen, besonders interessant die dick eingemummten, Kopftücher, seltsame Pantoffeln und dicke Stricksocken tragenden älteren Frauen, die hier, mitten in der Stadt, eine Atmosphäre ferner Bergdörfer verbreiten.

Nach etwa einer halben Stunde sitze ich im gut gefüllten Bus nach Orestiáda. So spare ich mir einen Tag, kann locker gleich heute die Neugiertour ins nördliche Évros unternehmen. Denn die Schnellbusse schaffen diese Strecke trotz mehrerer Stopps in zwei Stunden, schneller als die Eisenbahn, und es ist noch nicht einmal Mittag.



INS NÖRDLICHE EVROS

Aus der Stadt rauszukommen dauert eine Weile. Bahngleise werden sichtbar, am Schluss fahren wir bis kurz vor dem Flughafen neben der eingleisigen Bahnstrecke her hinaus in eine große Ebene. Ungefähr 7 km östlich der Stadt liegt der Airport idyllisch nicht weit von der Küste. Die gut ausgebaute Straße führt direkt daran vorbei. Viele Möbelhäuser sind mir bis hierher aufgefallen.

Bei Monastiraki, wo eine Nebenstraße ins Evros-Delta abzweigt (- man bräuchte hier ein Fahrrad!) biegt der Highway allmählich nach Nordost. In Féres verlassen wir die Überlandstraße und fahren bis hinter zur Busstation am östlichen Ortsende nahe dem großen Fluss, um etliche Leute aussteigen zu lassen. Wegen Bauarbeiten geht es auf Umwegen zurück zu Magistrale.

Kurz hinter Féres überqueren wir auf neu angelegter Straßenüberführung das breite, schwarze Band der hier bereits fertig gestellten Autobahn in die Türkei mit ihren grünen Hinweistafeln. Nicht auf allen Karten, auch nicht auf meiner Thrakien-Karte von Road Editions, ist sie schon eingetragen.
Ich habe den Eindruck, dass diese Gegend straßenmäßig besonders begünstigt ist. Statt einer gewissen Entlegenheit ein hohes Maß an Erschlossenheit. Ein richtiger Highway, der unsere, auch die kleineren Ortsdurchfahrten sind überbreit.

Was mich verwundert, ist die unerwartet geringe Höhe der östlichen Rhodopenausläufer. Nichts Dramatisches, eher Sanftheit und allmähliches Ansteigen gegen West.

Ein paar Storchennester am Straßenrand beleben die Fantasie. Wie schön – Störche!!! Was wird wohl weiter drinnen in so mancher Ortschaft storchenmäßig los sein? Ob es so aussieht wie in Zentralspanien? – wohl nicht, denn Meister Adebar ist nur selten im Flug zu sehen, während man sich in Ávila oder Segóvia oder Salamánca vor lauter Storchen-Begrüßungsgeklapper fast die Ohren zuhalten muss, dort, wo auch längere Zeit aufgestellte Baukrane hinten und vorne auf ihren Auslegern jeweils ein Storchennest tragen (- Ávila!!! DIE Stadt der Störche.).

Auf dem Weg nach Souflí fällt bald auf, wie nahe wir den ersten türkischen Dörfern kommen. Ihre rötlichen Hausdächer, ihre Moscheen und deren Minarette sind ein untrügliches Zeichen.
Dazwischen erstreckt sich die die Straße bald fast tangierende Bahnlinie, dehnen sich Wiesen und Felder der Flussaue aus, und immer näher kommt auch der Évros selbst, Grenzfluss zum europäischen Festlandsteil von Tourkía.

Besonders schön gestaltet sich die Ortsdurchfahrt der alten Stadt Souflí mit ihrem hochinteressanten Straßenbild, den vielen kleinen Kafenía, mal griechisch, mal türkisch, den kleinen Geschäftchen, der quirligen, geschäftigen Kleinstadtatmosphäre.
Vor dem Bus her zockelt, die Aufschrift am Autoheck verrät es, der „Moúftis tou Évrou“, der Oberpriester der stattlichen türkischen Minderheit dieser Provinz Griechenlands – viel zu langsam für den Busfahrer. Er trägt ein gehäkeltes Netzkäppi, das sich farblich von dem der niedriger gestellten Muslime abhebt (- Weiß gegen Grau, glaube ich mich zu erinnern).

Eine tolle Stadt muss das sein, mit ganz spezieller Stimmung! Das sieht man schon aus dem Busfenster.

Wenn sich Staus bilden, sind immer die Bulgaren dran schuld! Mein Sitznachbar weist mich auf den langsamen alten LKW hin, der irgendein rostiges Vehikel auf seiner Ladefläche in das nördliche Nachbarland entführt.

Unweit nördlich von Souflí und ein andermal kurz vor der Abzweigung nach Didimóticho kommen wir dem Évros-Fluss äußerst nahe, auf ein paar Meter. Vor dem zweiten, nördlicheren „Berührungspunkt“ mit dem Fluss steht ein Häuschen mit Militär davor.
Auf türkischer Seite ist gar nichts von Militär zu sehen, während das griechische Ufer entlang immer wieder kleine Militärkonvois die Hauptstraße sichern und auch schon mal zwei Panzer, Tanks am Straßenrand geparkt sind. Während die türkische Politik auf Entspannung setzt, steckt den Griechen trotz ebenfalls gezeigtem Entgegenkommen die alte Türkenfurcht noch schwer in den Knochen.

Das recht groß erscheinende Didimóticho wird von einer Hügelfestung gekrönt, darunter überragt noch ein markantes, wie eine Riesenmoschee aussehendes Kuppelgebäude das alte Stadtbild.
Wir umfahren die Altstadt und biegen im Stadtnorden nach West zur Busstation hin ab., vorbei an einer Barackensiedlung, offenbar für Asylanten (?).

Zurück auf der Überlandstraße, wird es allmählich geradezu langweilig. Nichts so Besonderes, diese Landschaft. Wenig Spektakuläres. Abseits der großen Straße ist sie bestimmt schöner, unentstellter.
Vor Orestiáda erscheinen auch wieder die größeren Gewerbe- und Geschäftshäuser neben der Straße. Sie muten wie irgendwo in Europa an.
Der Balkan versteckt sich wohl eher im Hügel- und Bergland.

Es ist eine lange Einfahrt nach Orestiada, bis das etwas höher gelegene Zentrum erreicht ist. Eine Plansiedlung ist diese Stadt, 1923 neu gegründet, mit gitterförmigem Straßengrundriss.

An der zentralen, groß dimensionierten Platía mit Denkmal, Grünanlage und Hotel, über die die Hauptdurchgangsstraße führt, biegen wir nach West ab und bald nach Nord in das Viertel, wo sich die Busstation befindet. Von hier aus geht etwa stündlich ein Bus zurück nach Alex’poli. Von hier aus gehen ebenso Anschlusslinien nach Kastaniés (Grenzstation gegenüber dem türkischen Edirne, griechisch Adrianoúpoli) sowie in entlegenere Täler und Bergregionen Richtung Balgarija (Voulgaría).

Einen Spaziergang durch die Innenstadt will ich mir schon gönnen. Bald gelange ich wieder zur Hauptverkehrsader der Stadt, wende mich Richtung Platía und komme im Nu zu einem von Einheimischen überfüllten Lokal (namens „Vafis“, oder so ähnlich).
Von neugierigen Blicken verfolgt, begebe ich mich Richtung Küche und bestelle gleich etwas beim ziemlich ironischen Bedienerix. Zum Glück ist der Durchsatz an Gästen ganz enorm, sodass ich einen freien Tisch finde. Um mich herum so manche gut beschwipste, gut aufgelegte Tischrunde an ihrem Schlachtfeld ausruhend und heftig diskutierend, scherzend.

Mein Rindfleischgericht mit viel Kartoffeln und grünen Bohnen schmeckt vorzüglich. Zusammen mit dem großen Bier macht die Rechnung ganze 6 Euro 40 aus. Ich denke zurück an die annähernd 18 Euro, die mir in einer Taverne auf Samothráki abgeknöpft wurden („Paidákia“ war mein Gericht), und sehe jetzt, im Vergleich, noch einmal ganz drastisch was Sache ist. Aber möglicherweise war es ja ein bulgarischer oder türkischer Import, mein Essen – ihr allerwertestes Fremden-Bescheißer-Ehepaar da oben in Profitis Ilías, euch zum Trost.

Schließlich gelange ich zum Park am Ostrand der Innenstadt von Orestiáda, versuche an seinem Rand irgendeine Aussicht zu erhaschen Richtung dem nahen Edirne. Aber Pech – die Gegend ist einfach zu flach.

Orestiáda ist nicht sooo schön, dass ich mich besonders lange hier aufhalten will. Um halb vier rum besteige ich den Bus zurück nach Alex’poli, auf das ich doch auch noch gespannt bin, für einen Abend.

Spannend wird es, als der Busfahrer einen Halt einlegt, um an der extrem grenznahen Stelle bei Didimóticho eine Militärstreife hereinzulassen, drei Militärs, die nach Fremden Ausschau halten.
Einer von ihnen wird fündig – in MIR, dem „Bulgaren“.
Es lohnt sich, auf Griechisch antworten zu können! „Ich bin nicht Bulgare, ich bin Deutscher, aus München!!!“ Könnte ja jeder behaupten, oder!? Durchsuchung ist angesagt. Die lenke ich vorsichtig in gewisse Bahnen, indem ich erst meinen kleinen Bücherrucksack öffnen, darin die Geldtasche mit dem roten EU-Pass und so vielen Euro drin eingeklemmt, dass ich unmöglich Bulgare sein kann. Ist nicht geringschätzig gemeint, aber an der Reaktion des übereifrigen Kontrolleurs konnte ich gleich bemerken, welche Wirkung ein roter Pass und eine beachtliche Bargeldmenge ausüben können. Im Nu war der Bulgare vergessen, war keiner mehr! Was für ein Glück, dass mich das Schicksal ohne mein Zutun zu einem „Westeuropäer“ gemacht hat – ich kann wirklich nichts dafür. Was für ein Pech für die armen Typen aus der östlichen Hälfte unseres Kontinents, die ständig Demütigungen über sich ergehen lassen müssen.

Im Anschluss an diese Szene fühlt sich mein Sitznachbar genötigt, sich auf sehr nette Art für den Vorfall zu entschuldigen – es müsse halt sein, in diesen Zeiten, auch noch so unmittelbar vor den Olympischen Spielen. Ob das jemals einem Deutschen einfallen würde, sich für so etwas zu entschuldigen, wenn es einem Ausländer passiert wäre?

Ganz formell bittet direkt beim Flughafen von Alexandroúpoli ein griechischer Fahrgast aus dem Norden um einen Halt „am Flughafen von Alexandroúpoli“, als ob es in der Gegend mehrere gäbe.
Startbereit am Westende der Piste steht eine kleine Aegean-Maschine, Ziel ist Athína, denn von hier aus fliegt Aegean sonst nirgendwohin.
Wie oft hatte ich überlegt, nach meinem Évros-Besuch vielleicht direkt nach Sitía auf Kreta zu propellern, mit Olimbiakí. Oder ein Direktflug mit Zwischenlandung(en), nach Rhodos. Hätte mich wirklich gereizt – so tief die ganze türkische Küste entlang zu fliegen, über all die erst weniger, dann mehr vertrauten griechischen Inseln.
Doch mein Entdeckerdrang hatte die Oberhand gewonnen, und wenn schon eine zeitlich passende Fähre von Kavála aus geht, nach Samos, und ich auf diese Weise einen anderen nördlichen Hafen erleben kann und anschließend, nach einer Ü auf Samos, auch noch den Dodekanes durchkreuzen (die Níssos Kálymnos wieder einmal erleben!), dann bleiben wir zur See, ziehen wir die große, durch keinen Flug entstellte Seefahrt durch – wie es sich für eine Anglophilen gehört! Hauptsache, gegen Ende der Reise die Freunde auf Kárpathos treffen, noch ein paar Tage Zeit haben dafür.

Trotz des Umwegs, des Schlenkers über einige grenznahe südlichere Dörfer, kommen wir ziemlich pünktlich mitten in Alexandroúpoli an, am Busbahnhof um zwei Ecken vom Hotel Lido, dem schönen, echt preisWERTEN.

Die EM ist vorüber, Hellas hat den Pokal errungen, und endlich haben sich Humanisten wie Bruno Walter im Hintergrund wieder durchgesetzt. Seine herrlichen, von gleich zwei Geistern durchdrungenen späten Mozartsymphonien begleiten mich beim Schreiben, mich, der ich seit längerem so auf Krips mit seinem Concertgebouw Orkest stehe – die wunderbaren, so gut klingenden Philips-Aufnahmen in erster Linie der frühen Mozartsymphonien (wahre Fundgruben), gar nicht so alt – die Aufnahmen.
Ich bedaure nur, dass ich Bruno Walters Mahler-Wunderwerke nicht im Regal habe. Auch Klemperer würde es „tun“, wäre sogar ebenbürtig, aber von dem ist nur die „Vierte“ zur Hand, doch mir ist ganz und gar nach der „Auferstehung“, der zweiten Symphonie, dem Spiegel der menschlichen Unmöglichkeit.

Die griechischen Fußballer haben doch das Unmögliche möglich gemacht, Phíle! Wenn es so weitergeht, wird auch von Bülow wiederauferstehen, der Philharmoniker, ganz nach Mahlers geheimem Wunsch, nicht nur das mächtige Hellas. Und Gustav Mahler wäre entzückt, das wohl unerreichte Operndirigentengenie. Sogar das Anfangsmotiv von Verdis „Othello“ hat er in seine „Zweite“ integriert, neben so viel Tristan und bitterer Analyse des Menschseins ...

Warum nicht Benny Goodman auflegen, jetzt, da es um diese junge, recht dynamische thrakische Stadt am Rand des griechischen Festlands geht? Ein Klarinettenkonzert! Aus Boston! Fantasiereicher und intelligenter als sein Komponist geht’s doch gar nicht mehr, und mit den intelligenten, weltgewandten Leuten aus Alexandroúpoli hab ich, beruflich wie privat, bisher nur die besten Erfahrungen gemacht – so ähnlich wie mit den Katalanen aus Barcelona.



ZURÜCK. EIN ABEND IN ALEX’POLI

Wohin zieht es den Seefahrer, der bereits zu weit aufs unvertraute Festland vorgedrungen ist?
Zurück in eine Hafenstadt, versteht sich. Egal ob sie ganz modern aussieht, keine großen Sehenswürdigkeiten in ihren nicht vorhandenen Mauern birgt, alles andere als der Nabel der Welt ist.

Hauptsache ein HAFEN, eine Ahnung von der Weite selbst des begrenzten Ägäischen Meeres, ein salziges Lüftchen, das alle Straßen auch vom stärksten Autoverkehr rein fegt und unseren Lungen noch zusätzlich Kraft spendet.

Diese einfachen und doch so ganz und gar komfortablen modernen Stadthotels. Zwei großartige Badezimmer, alles blitzblank geputzt, stehen dem bescheideneren Gast für eine Dusche auf meinem Stockwerk, dem dritten, zur Auswahl. Man fühlt sich nicht verarscht, hat eine Bleibe zu einem wirklich angemessenen Preis, immerhin in einer Provinzhauptstadt, nimmt dafür das Fehlen der Nasszelle im Zimmer in Kauf.
Was für ein Luxus, eigentlich. In guter Erinnerung ist mir noch die erste Nacht dieser Ägäisrundfahrt, nach einer langen Anreise von Deutschland mit Zwischenlandung in Saloníki, auf der Insel Psará, im Freien, ganz ohne den Genuss eines Waschbeckens oder gar von frischem Duschwasser, auf einem Kafenio-Segeltuch-Stuhl, eingelullt vom misstrauischen Hundegejaule und einer ausgelassenen Privatfeier zu dritt oder viert auf der kleinen Inselfähre mit Musikumrahmung bis in die Puppen (- right into the small hours). Eine herrliche Nacht, trotz allem, die erste derartige seit Urzeiten.
Die Geräusche der Nacht, das Flair einer Nacht draußen ohne schützende Hausmauern, bar jeglicher warmen Bettdecke, die Sinne geschärft. Das allmähliche Frösteln. Die ersten Morgenpassanten hin zur Fähre nach Chios. Meine frühmorgendliche Besteigung des Vorkaps. Der erste jungfräuliche Blick auf die Inselberge Psarás, auf Andípsara, auf Chios aus der Ferne, gegen eine zaghaft aus anatolischen Tiefen aufsteigende Sonne. Die Möwen um mich. Sonst Stille.

Solche Gedanken, Erinnerungen kommen einem wohl nur, wenn man den Schluss-Satz von Mahlers „Dritter“ zu Hause in sich einsaugt, während sich der Athos allmählich im Abendrot herausschält, da unten bei den Griechen, das geistige Auge nimmt daran teil.

Alexandroupolis. A tour of the town. Man könnte vielleicht mal in hohem Bogen hin zum ziemlich weit westlich der Hafeneinfahrt gelegenen Olympic-Airlines-Office spazieren und fragen, nach Flügen. In der neuen Stadt, die so etwas wie Ruhe und Festigkeit ausstrahlt. Ich kann mir nicht helfen, ich fühle mich in ihr wohl. Verrückt.

Trotz Saluzzo (Die Fresken auf der Burg von Manta, in der Nähe – unfassbar schön.), den Langhe, ihrem Wein, Torino (Das Stadtbild, die Oper, die Bergriesen rundherum), Monza (die Langobardenkrone ... im Dom), Castiglione Olona (die unbekannten Fresken von Masolino da Panicale), Milano (diese eine so heimelige Straße zum südlichen Stadttor, die versteckten Winkel, der junge, übende Organist auf der Empore in San Lorenzo Maggiore, der seinem Talent freien Lauf lässt, die duftenden Wiener [= Frankfurter] Würstchen mit Sauerkraut 200 Meter vom Dom, das Erbe Austrias!; der vorzügliche Fisch in der Trattoria bei den Kanälen), Parma, Pádova (das herrliche Battistero), Venedig (sowieso außer Konkurrenz, distichós auch preislich!), dem Palazzo Schifanoia in Ferrara, Florenz (nicht mehr bezahlbar, aber ich weiß warum), Perugia (hoch oben, die Weinkneipen!), Assisi (auch spirituell), Spello (Pinturicchio - diese Fresken!!!!!), Montefalco (Rosso di!; Mmmm!, und die würzigen, frischen Trüffeln Ende September – Für ein Spottgeld, vor Ort, in der Pasta), Spoleto, Grosseto, Bolsena (im schönen Abseits, Wein, Fisch, Averna, die „Bar Centrale“, der Schilfstrand mit seinen winzigen Buchten am See, ruhiges Italien, fast unverdorben), Viterbo, Rom, Anagni, Alatri, Napoli, Bari, Barletta, Trani, Lecce, Táranto, Gallípoli, und Ótranto, um nur einige gut erinnerte Perlen der italienischen Halbinsel zu nennen.
Was soll das Namedropping? Es erhöht dich nicht, Ego. Es waren deine Entscheidungen, Andere haben sich anders entschieden, sind weit verreist. Haben ganz anderes erlebt. Du kennst das nicht, hast keine Ahnung davon. Bist lediglich in dich gegangen, manchmal.

Bin ganz glücklich, zufrieden. Habe es vielleicht nicht falsch gemacht – diesbezüglich.
Außer, dass ich zu oft nach Griechenland gefahren bin – 20 wichtige Celibidache-Konzerte deshalb unwiederbringlich versäumt habe. Nun ist er tot, der Überirdische. Tempi passati.

Die Belegschaft des Olympic-Büros von Alexandroupoli hat so früh am Abend noch zu, öffnet möglicherweise um 19 Uhr. Auch egal.
Der alte amerikanische M-48-Panzerturm um die Ecke vor der Kaserne ist beeindruckend, weil ich an die großen, ewig langen US-Panzerparaden (hin zum Manöver im Wald) während meiner Kindheit denken muss.
Dann erst die lange Reihe vom Uferpromenadencafés! Erste jugendliche Gäste sind eingetroffen und starren mich an, den Eindringling in ihre Sphäre, ihre Stadt, Ja, westlich der Hafenzufahrt ist die Action für die Kids und Studiosi.

Das goldene Abendlicht zieht mich hinunter zur langen Hafenmole, an deren Anleger ich diesen Morgen angekommen bin. Ein Wohnmobil aus deutschen Landen sucht Schutz hinter der westlichen Molenmauer. Viel Platz ist hier, Parkplatz, Abstellplatz, Promenierplatz. Großer Hafen, kaum nennenswerte Schiffe, „Kleinzeug“.

Es wird auch promeniert. Ein paar Stroller klettern bereits die Felsen hoch zum südlichen Abschnitt des oberen Kaimauersteigs mit Aussicht, nach dem Durchlass. Ich folge ihnen.

Wie es sich gelohnt hat, ästhetisch gesehen! Nicht nur die Kabireninsel und ihre östlichen Nachbarn breiten sich ziemlich nahe vor mir aus. Selbst Thassos ist gegen die untergehende Sonne gut zu erkennen. Als unerwartete Dreingabe spitzt der ferne Athos ein Stück südlich von Thassos aus dem Horizont hervor, so als ob’s nichts Besonderes wäre. Ein kleines Wunder für mich, hab nicht mit ihm gerechnet, von so weit weg. Ich freue mich über meine Verbundenheit mit nah und fern – ganz so, wie ich’s mag. Aber man muss sich schon hinausbegeben auf die lange Mole, um so etwas mitzukriegen!
Abends darauf sollte ich, schon auf halbem Weg Richtung Thessaloniki, die Klippen der Altstadt von Kavála hinunterblicken in die Fluten und hinüber auf das so nahe Thassos, der Athos zum Heulen nah, in ähnlicher Entfernung wie von Limnos aus.

Geht man die Hafenausfahrt hinauf zur Stadt hin, sind es nur ein paar Schritte über die Uferstraße, und man ist bei zweien jener alten Kafenía angelangt.
Das zweite, an der Ecke zur Straße beim Fischmarkt, sieht echt spartanisch aus, für die ganz Armen, wenn man so will. Das nächste Mal.
Das erstere, mit Markise und mehr Stühlen draußen ist kleiner und zusammengestauchter, ganz „normal“, bestimmt nicht übertrieben komfortabel und hat ebenfalls eine ganz eigene Ausstrahlung.
An seinen Wänden hängen rundherum Fotos vom alten Alexandroúpoli des frühen zwanzigsten Jahrhunderts bis etwa in die Vierzigerjahre. Man glaubt sich ins neunzehnte Jh. zurückversetzt.
Hier glaube ich unter den Gästen einige samothrakische Gestalten wiederzuerkennen. Auch für die SAOS-Fähren wird Reklame gemacht.
Wenn man Mezé zum Ouzo bestellt, kriegt man sehr gute Appetithappen, sogar Muscheln, wird vorher gefragt, ob man sie auch will (- irgendwie gefährlich, klar.) Dieser Ort kommt dem limnischen „Aegeo“ aus meiner Sicht wohl am nächsten, wenn er auch bei weitem nicht so groß und wohlhabend wirkt.

Dreh beim spartanischen Kafenío links rein, schon gehst du zwischen Fischmarkt – am frühen Morgen ein Erlebnis – und einer erst am späteren Abend belebteren Fischtaverne namens „Anéstis“. Das Rondell der Platía Polytechníou ist etwas enttäuschend, sehr klein, gedrängt, die beiden ehemals bestimmt urigen Lokale wirken heutzutage wie die Number-one-Places im Ort – nur ein flüchtiger Eindruck. In einem davon glaube ich die größere niederländische Gruppe wiederzuerkennen, als so ziemlich einzige Gäste.

Lediglich einen kleinen Restappetit will ich stillen, so umrunde ich den Block zwischen dem Platía-Rondell, der „Dimokratías-Prachtstraße“ und dem Fischmarkt und werde bald fündig.

Mag sein, dass es die Koundourióti-Straße ist, oder eine Parallele weiter westlich, wo sich zum Meer hin so relativ viele preiswerte Schnellimbisse für den Normalbürger mit wenig Geld in der Tasche und dennoch einem beachtlichen, unstillbaren Ausgehdrang etabliert haben.
Eine Straße der kleinen Leute, die hier promenieren gehen, sich mal schnell ein paar Souvlakia oder was anderes reinziehen wollen (nein, nur Kulinarisches) und kritisch das in ihren Augen beste der etwa vier Angebote besetzen.
So früh wie ich dran bin – noch vor halb zehn – ist das sehr kleine, bescheidene Stübchen mit zwei Tischen draußen noch überhaupt nicht besucht, aber als ich 10 Minuten später wiederkomme, muss ich mich schon beeilen, einem respektablen Paar den Tisch wegzuschnappen. Sie nehmen meine Entschuldigung an und bekommen einen Zusatztisch aufgestellt. Geschnappt hatte ich, weil es da Birra Alpha (hallo Peter aus Linz!) vom Fass gab!! Große Krüge noch dazu, zu einem erstaunlich kleinen Preis. Die Ausnahme.

Das Bier war gut, das Schnell-Essen unter aller Kanone, Leute, die denkbar schlechtesten Zutaten, geradezu gelungen geschmacklos.
Aber die moderne Art, es nur auf einer auf den Tisch hingeklatschten großen Papierserviette zu servieren, das bestimmt allerletzte (weißrussische?) Ketchup drauf (HEINZ ist wirklich um 12 Klassen besser! - Dazu noch Fish n’ Chips – oder lieber doch mit Essig?), war für mich nichts ahnenden Vorortbewohner äußerst beeindruckend, auch wenn alles doch ein wenig durchfettete. Die ganze Straße macht es so! Das zur Rechtfertigung.
When in Alex’poli, do as the Alex’poliótes do!

Schnell ins gemütlichere Kafenío zurück. Dann ins Bett! So wenig Schlaf wie auf dieser Rundreise hatte ich schon lange nicht mehr.
Das muss sich ändern!

Aber wann wird es geschehn? Nach dem Zusammenbruch?

Hören wir, zurückgekehrt, erst einmal Simone Boccanegra, vielleicht weiß der Rat. Fürs nächste Mal.


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